Sorgt das Atomabkommen mit dem Iran für eine geopolitische Krise?

Eine Neuauflage des Atomabkommens von 2015 mit dem Iran könnte in den nächsten Tagen unterschriftsreif sein. Doch dies könnte auch einige geopolitische Verwerfungen mit sich bringen. In Zeiten wie diesen, ist dies eine heikle Angelegenheit.

Eigentlich müsste US-Präsident Joe Biden froh darüber sein, dass die Verhandlungen in Sachen Atomabkommen mit dem Iran voranschreiten. Der Chef-Unterhändler Russlands sagte am Freitag, dass bereits in der nächsten Woche ein unterschriftsreifes Abkommen auf dem Tisch liegen könnte. „Soweit ich weiß, sind die Iraner nicht zu direkten Gesprächen (mit den Vereinigten Staaten) bereit“, sagte Michail Uljanow gegenüber Reportern, die von Reuters zitiert werden. „Wir werden vielleicht Mitte nächster Woche eine Einigung erzielen. Wir sprechen über die letzten Bemühungen vor dem Überqueren der Ziellinie.“

Laut dem ehemaligen Iran-Beamten im Außenministerium, Gabriel Noronha, der entrüstet kündigte, als er sah, wie das Abkommen ausgeheckt wurde, wird es von Russland vorangetrieben, das zusammen mit China dem Iran hilft, die Sanktionen zu umgehen. Demnach sollen die Sanktionen gegen die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) aufgehoben werden. Auch soll es Teheran erlaubt sein, russische Waffen zu kaufen und ballistische Raketen zu entwickeln. Die internationalen Kontrollen zur nuklearen Entwicklung sollen nicht weiter verschärft werden. Im Jahr 2031 – wenn nicht schon früher, da das Land Berichten zufolge bereits über 60 Prozent des für eine Bombe benötigten verarbeiteten Urans verfügt – könnte der Iran ein Staat sein, der in der Lage ist, eine Atombombe zu bauen, wann immer er will.

Dies könnte dazu führen, dass sich Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und so weiter gezwungen sehen, militärische Schritte gegen den Iran zu unternehmen. Insbesondere Israel, welches Hauptziel einer solchen iranischen Bombe wäre – selbst jedoch entgegen des Atomwaffensperrvertrags eigene solcher Massenvernichtungswaffen besitzt.

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Von Michael Steiner

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