US-Hegemonie: 750 Militärbasen in 80 Ländern

Die US-Militärpräsenz rund um den Globus ist beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Doch wie lange kann Washington dies noch finanzieren?

Kein anderes Land der Welt hatte jemals eine so umfassende globale militärische Präsenz wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht einmal die großen Kolonialmächte Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Portugal konnten in ihrer expansionistischen Geschichte damit mithalten.

Wie die folgende Karte verdeutlicht, besteht die aktuelle Militärpräsenz außerhalb des eigenen Landes derzeit aus schätzungsweise 173.000 Soldaten die in 159 Ländern der Welt stationiert sind. Die meisten davon in einer der rund 750 US-Militäreinrichtungen in etwa 80 Ländern. Der Rest kümmert sich beispielsweise um die Startcodes für Kampfjets in Ländern wie Österreich, die ohne US-Genehmigung nicht einmal von den Landebahnen abheben können.

Eine neue Studie des Quincy Institute, die von David Vine von der American University und Patterson Deppen und Leah Bolger von World Beyond War durchgeführt wurde, zeigt die weltweite Militärpräsenz der USA auf. Washington hat fast dreimal so viele Stützpunkte wie Botschaften und Konsulate. Amerika hat auch dreimal so viele Einrichtungen wie alle anderen Länder zusammen. Das Vereinigte Königreich hat 145. Russland zwei bis drei Dutzend. China fünf. Obwohl sich die Zahl der US-Einrichtungen seit dem Ende des Kalten Krieges halbiert hat, hat sich die Zahl der Länder, die amerikanische Stützpunkte beherbergen, verdoppelt. Washington ist ebenso bereit, Streitkräfte in undemokratischen wie in demokratischen Ländern zu stationieren.

Die Studie beziffert die jährlichen Kosten dieser expansiven Basisstruktur auf etwa 55 Milliarden Dollar. Rechnet man die gestiegenen Personalkosten hinzu, erhöht sich die Summe auf 80 Milliarden Dollar. Wohlhabendere Länder, die unnötigerweise in den Genuss einer Art Verteidigungswohlfahrt kommen, übernehmen in der Regel einen Teil der Kosten durch die „Unterstützung des Gastlandes“. Nicht so Washingtons neueste Kunden. Tatsächlich hat das US-Militär im Zuge des globalen „Kriegs gegen den Terror“ in den letzten zwei Jahrzehnten bis zu 100 Milliarden Dollar für neue Bauten ausgegeben, zumeist in Ländern wie dem Irak und Afghanistan, die finanzielle schwarze Löcher waren.

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Obwohl die amerikanischen Stützpunkte in einigen Gebieten, wie z. B. Okinawa, auf heftigen Widerstand der Bevölkerung stoßen, werden die Einrichtungen in anderen Gebieten als willkommene Geldbringer angesehen. Als Präsident Donald Trump vorschlug, die US-Streitkräfte aus Deutschland abzuziehen, war die größte Sorge vieler Einheimischer wirtschaftlicher Natur. Das Gejammer lokaler Politiker, die in der amerikanischen Präsenz eher eine finanzielle als eine sicherheitspolitische Angelegenheit sahen, war laut genug, um über den Teich“ gehört zu werden. Sie glaubten nicht nur, dass die Amerikaner ihnen militärischen Schutz schuldeten. Ihrer Ansicht nach hatten die Amerikaner auch die Pflicht, ihre Wirtschaft zu stärken.

Der Preis für Washingtons globales Engagement ist jedoch nicht nur wirtschaftlicher Natur. Vine, et al. erklären:

„Diese Stützpunkte sind in vielerlei Hinsicht kostspielig: finanziell, politisch, sozial und ökologisch. US-Basen in fremden Ländern führen oft zu geopolitischen Spannungen, unterstützen undemokratische Regime und dienen als Rekrutierungsinstrument für militante Gruppen, die gegen die US-Präsenz und die von ihr gestützten Regierungen sind. In anderen Fällen werden ausländische Stützpunkte genutzt und haben es den Vereinigten Staaten erleichtert, katastrophale Kriege zu beginnen und durchzuführen, darunter in Afghanistan, Irak, Jemen, Somalia und Libyen.“

Die vielleicht teuersten Anlagen wurden nach dem ersten Golfkrieg in Saudi-Arabien errichtet. Indem Washington Angehörige des US-Militärs als Leibwächter für die saudischen Könige auslieh, schuf es eine der abscheulichsten Diktaturen, die es gibt, einen wahrhaft totalitären Staat ohne politische, religiöse oder soziale Freiheit. Kronprinz Mohammed „Slice & Dice“ bin Salman, der für die Ermordung und Zerstückelung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vor drei Jahren verantwortlich ist, hat zwar einige soziale Einschränkungen gelockert, aber die politischen Kontrollen stark verschärft.

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Außenpolitisch gesehen ist die Präsenz Amerikas einer der Gründe, die Osama bin Laden dazu veranlassten, die USA ins Visier zu nehmen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz gab im Februar 2003, vor der Invasion des Irak, zu, dass Amerikas regionale Präsenz „weit mehr als nur Geld“ gekostet habe. Die US-Bombardierung des Irak und die US-Truppen in Saudi-Arabien seien „Osama bin Ladens wichtigstes Rekrutierungsmittel“ gewesen. Nach der geplanten Invasion fügte er hinzu: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand hier … weitere 12 Jahre dort sein möchte, um weiterhin bei der Rekrutierung von Terroristen zu helfen.“

Der vielleicht schwerwiegendste Preis für endlose Basen sind endlose Kriege. Offensichtlich ist die Ursache komplex. Ein Krieg führt jedoch in der Regel zur Schaffung neuer Einrichtungen. Solche Einrichtungen fördern eine kontinuierliche militärische Präsenz. Das Vorhandensein von Stützpunkten in der Nähe verringert die Grenzkosten einer Intervention und erhöht die maximale Versuchung, neue Verpflichtungen einzugehen, sich in lokale Kontroversen einzumischen und in nahe gelegene Konflikte einzugreifen. In der Quincy-Studie wurde festgestellt: „Seit 1980 wurden US-Stützpunkte im Nahen Osten mindestens 25 Mal genutzt, um Kriege oder andere Kampfhandlungen in mindestens 15 Ländern allein in dieser Region zu beginnen. Seit 2001 war das US-Militär in mindestens 25 Ländern weltweit in Kampfhandlungen verwickelt.“

Amerikanische Militäreinrichtungen wecken auch die Erwartungen der Gastgeber- und Nachbarländer. Nachdem der Iran im September 2019 saudische Öleinrichtungen angegriffen hatte, erwarteten die verwöhnten saudischen Könige Vergeltungsmaßnahmen der USA, wurden aber bitter enttäuscht. Obwohl Präsident Donald Trump Recht hatte, den Saudis zu erlauben, „ihre eigenen Kriege zu führen“, wie er fünf Jahre zuvor getwittert hatte, ermutigte die amerikanische Militärpräsenz, die Trump verstärkt hatte, Riad, mehr zu erwarten – und hätte einen konventionelleren Präsidenten zum Handeln motivieren können.

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Angesichts der immensen Verschuldung der USA stellt sich jedoch auch zunehmend die Frage, ob die ganzen Kosten für den überbordenden globalen Militärapparat überhaupt noch gerechtfertigt sind. Man sollte nämlich nicht vergessen, dass neben den 173.000 Soldaten in den Basen weltweit auch noch zehntausende Soldaten auf den Flugzeugträgern, Kriegsschiffen und U-Booten auf den Weltmeeren stationiert sind, die ihre Kameraden zu Lande in den Konfliktherden der Welt unterstützen. Auch das verursacht enorme Kosten für die US-Steuerzahler.

Wie lange können die Vereinigten Staaten ihren überdehnten Militärapparat noch aufrecht erhalten? Eine Frage, die sich angesichts der budgetären Probleme weiterhin stellt.

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