Ex-Mossad-Chef: Der Iran ist „nicht einmal nahe dran“, eine Atombombe zu bauen

Seit Jahrzehnten behaupten die Israelis, dass der Iran „kurz davor“ stehe, eine Atombombe zu bauen. Doch dem ist offenbar nicht so.

Außenminister Yair Lapid ist in Washington D.C., um mit hochrangigen Vertretern der Regierung Biden zu Gesprächen über den Iran, den Gazastreifen und andere sicherheitsrelevante Themen zusammenzutreffen. Wie erwartet, warnte Lapid den nationalen Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, dass der Iran kurz davor stehe, ein „nuklearer Schwellenstaat“ zu werden.

Lapids Büro gab nach dem Treffen mit Sullivan diese Erklärung ab: „Der Außenminister teilte mit dem nationalen Sicherheitsberater Israels Besorgnis über Irans Wettlauf zu nuklearen Fähigkeiten sowie darüber, dass der Iran zu einem nuklearen Schwellenstaat wird“, so die Times of Israel. „Lapid sprach mit dem nationalen Sicherheitsberater auch über die Notwendigkeit eines Alternativplans zum Atomabkommen.

Da die Atomgespräche zwischen Teheran und den Weltmächten in Wien ins Stocken geraten sind, steht die Frage im Mittelpunkt der Debatte, ob die USA eine Wiederaufnahme des JCPOA-Abkommens mit dem Iran anstreben sollten: Wie nah ist der Iran an der Erlangung einer Atombombe?

Offenbar gibt es sogar innerhalb des israelischen Apparates für nationale Sicherheit eine tiefe Kluft in dieser Frage, obwohl die Falken seit Jahrzehnten Alarm schlagen, dass der Iran „kurz davor“ steht, eine Atombombe zu erhalten. Es könnte aber auch sein, dass der israelische Geheimdienst intern weiß, dass die Iraner nicht wirklich kurz davor stehen, während die Politiker aus Propagandazwecken und um den internationalen Druck auf Teheran aufrechtzuerhalten, öffentlich eine ganz andere Position vertreten.

Der einflussreiche ehemalige Mossad-Direktor Yossi Cohen deutete genau dies am Dienstag in einem Kommentar an, der Aufsehen erregte. Der israelische Geheimdienstveteran sagte, dass der Iran in Wirklichkeit „nicht einmal nahe dran“ sei, eine Atomwaffe zu erlangen – obwohl er dies vor allem auf die israelischen Sabotage- und Spionagebemühungen gegen die Iraner zurückführte.

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„Ich denke, dass der Iran bis zum heutigen Tag nicht einmal in der Nähe einer Atomwaffe ist… Dies ist auf die langjährigen Bemühungen einiger Kräfte in der Welt zurückzuführen“, sagte er auf eine Frage des Geheimdienstreporters der Jerusalem Post, Yonah Jeremy Bob, die sich auch auf verdeckte israelische Aktionen in der Islamischen Republik bezog.

Cohen fügte hinzu, dass der Iran aufgrund der Bemühungen des israelischen Geheimdienstes „weniger Unterstützung aus dem Ausland für seine Handlungen hat als in der Vergangenheit“.

Er forderte ein „vollständig überarbeitetes“ Atomabkommen, andernfalls würde die Wahrscheinlichkeit, dass die Islamische Republik eine Bombe entwickelt, tatsächlich steigen. Mehr dazu in der Jerusalem Post:

Wenn der Iran eine Atomwaffe entwickle, müsse Israel in der Lage sein, sie aus eigener Kraft zu stoppen, sagte Cohen.

Auf die Frage, ob dies ohne Bunkerbomben möglich sei, antwortete er: „Wir müssen Fähigkeiten entwickeln, die es uns erlauben, absolut unabhängig zu sein und das zu tun, was Israel schon zweimal getan hat“ – Atomreaktoren in Syrien und im Irak zu bombardieren.

Er drohte weiter, dass „sie im Iran nicht ruhig schlafen sollten“. In den letzten Jahren hat Israel häufig „iranische Einrichtungen“ in Syrien bombardiert.

Der ehemalige Mossad-Chef bezog sich dabei auf die israelische Bombardierung eines mutmaßlichen syrischen Kernreaktors im Jahr 2007, der angeblich mit Hilfe Nordkoreas gebaut wurde. Der Angriff auf die Al-Kubar-Anlage in der Nähe von Deir al-Zor in Ostsyrien wurde von israelischen Beamten im Jahr 2018 nachträglich zugegeben.

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