Der Kampf um die Kontrolle der Energie im östlichen Mittelmeerraum

Die Geschichte des Erdöls und Erdgases ist von Instabilität und Konflikten geprägt. Der Aufstieg des östlichen Mittelmeers zu einer ergiebigen Energieregion hat die bestehenden Spannungen zwischen bestimmten Anrainerstaaten verschärft und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen anderen gestärkt.

Die Ratifizierung der Charta des Östlichen Mittelmeer-Gasforums (EMGF) unterstreicht die Bedeutung der Erdgasexportländer im Allgemeinen und Ägyptens im Besonderen.

In politischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist es Kairo gelungen, die Position des Landes als wichtiger Produzent und Exporteur von Gas zu stärken und gleichzeitig seine Rolle als Energiedrehscheibe zu unterstreichen. Ägyptens großer Binnenmarkt, seine beträchtlichen Produktionskapazitäten und seine strategische Lage machen das Land zu einem idealen Kandidaten für den Sitz des EMGF in Kairo.

Neben der wirtschaftlichen Logik erfordert die wachsende Bevölkerung Ägyptens immer größere Mengen an Rohstoffen, um die Nachfrage zu befriedigen. Daher sind Liquidität und der Zugang zu zusätzlichen Quellen wichtig, um die Energiesicherheit zu verbessern. Kairo hat aus den Entwicklungen der Jahre 2014/2015 gelernt, als das im Inland geförderte Erdgas für Exportzwecke abgezweigt wurde, um die explodierende ägyptische Nachfrage zu befriedigen. Nachdem Ägypten 2015 zum Nettoimporteur geworden war, wurden die beiden Verflüssigungsanlagen des Landes in Idku und Damietta für die Regasifizierung von LNG umgerüstet.

Umstrittene Ansprüche im Östlichen Mittelmeer.

Ziel des EMGF ist es, die energiereichen Länder des östlichen Mittelmeerraums durch Dialog zusammenzubringen, die Politik zu gestalten, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, Investitionen zu steigern und Wachstum zu fördern. Die Charta ist von den Gründungsmitgliedern Ägypten, Zypern, Griechenland, Israel, Italien, Jordanien, Palästina und Frankreich unterzeichnet und ratifiziert worden. Die Vereinigten Staaten und die EU sind Beobachter. Auffallend ist, dass die Türkei ausgeklammert wurde, während zwei europäische Länder, die geografisch nicht zu der Region gehören, nämlich Italien und Frankreich, Mitglieder sind. Dies zeigt die harte geopolitische Realität der Isolation Ankaras.

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Laut Osama Mobarez, Staatssekretär im Erdölministerium in Kairo, „ist dies ein sehr wichtiger Schritt für die Länder des östlichen Mittelmeerraums und ein großer Gewinn für Ägypten im Besonderen. Die Tatsache, dass die Charta Kairo als Sitz des Forums ausgewählt hat, wird Ägypten zum Drehkreuz für Erdgasproduzenten und -exporteure in der Region machen.“

Neben der Ratifizierung der EMGF-Charta nutzten der zyprische Präsident Nicos Anastasiades und der ägyptische Präsident Sisi kürzlich die Gelegenheit, ihr Engagement für die bilaterale Zusammenarbeit zu bekräftigen. Die beiden Länder bekundeten ihre Bereitschaft zu einer intensiveren Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Handel und Landwirtschaft. Beide Länder teilen vor allem die Feindschaft gegenüber der Türkei, die sich durch ihre feindseligen Handlungen von ihren Nachbarn entfremdet hat.

Vor allem aber bekräftigten Zypern und Ägypten ihr Engagement für eine gemeinsame Energieinfrastruktur, die ihre Ressourcen miteinander verbinden würde. Eine Unterwasserpipeline von den zyprischen Offshore-Feldern soll das Gas zu den ägyptischen LNG-Anlagen bringen, um es bis 2024/2025 nach Europa zu exportieren. Diese Verbindung würde die Rolle Ägyptens weiter festigen. Bereits jetzt wird israelisches Gas zu den beiden LNG-Anlagen in dem nordafrikanischen Land exportiert, die demselben Zweck dienen.

Neben Erdgas und EMGF verfolgt Ägypten mit Zypern und Griechenland einen trilateralen Ansatz, der über fossile Brennstoffe hinausgeht. Die drei Länder werden voraussichtlich im September eine Absichtserklärung unterzeichnen, die den Weg für die EuroAfrika-Verbindungsleitung ebnen soll. Mit dem Unterwasserkabel könnte die EU die beträchtlichen Kapazitäten Ägyptens im Bereich der erneuerbaren Energien im Allgemeinen und der Solarenergie im Besonderen nutzen.

Dennoch bleibt der Weg zur europäisch-afrikanischen Integration lang und mit Schwierigkeiten behaftet. Abgesehen von den technischen Herausforderungen und den damit verbundenen enormen Kosten könnte die Türkei wieder einmal als Spielverderber auftreten. Ankara hat bereits ein Abgrenzungsabkommen mit der libyschen Regierung in Tripolis unterzeichnet, das die trilateralen Ambitionen Griechenlands, Zyperns und Ägyptens untergräbt. Obwohl das Abkommen vor einem internationalen Gericht keine Chance hätte, könnte die Türkei es nutzen, um Unsicherheit und Instabilität zu verbreiten.

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Wenn es etwas gibt, was die Wirtschaft nicht mag, dann sind es Instabilität und Konflikte. Daher bleibt es ungewiss, ob Wirtschaftsunternehmen bereit sind, Milliarden in ein Projekt zu investieren, dessen Fertigstellung sich verzögern und sogar ungewiss sein könnte, wenn die türkische Marine vor der Tür steht, um den Fortschritt aufzuhalten. Das aggressive Auftreten Ankaras wird jedoch auch den negativen Effekt haben, die multilaterale Zusammenarbeit zu stärken. Es ist zu erwarten, dass die Anrainerstaaten Projekte wie den EMGF vorantreiben und die Beziehungen in Abwesenheit der Türkei stärken werden.

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