Europa braucht eine tragfähige Sicherheitsarchitektur

Europa steckt zwischen Ost und West und muss seine Rohstoffarmut ausgleichen. Ein multipolarer Ansatz könnte eine Lösung sein.

In den letzten Jahren sind die Spannungen zwischen der Europäischen Union und Russland deutlich gewachsen. Mit ein Grund dafür ist der von Brüssel unterstützte Maidan-Putsch in der Ukraine im Jahr 2014, die ständigen NATO-Kriegsübungen in Osteuropa und im Schwarzen Meer, sowie eine andauernde Sanktionsspirale, die sich immer weiter dreht.

Dabei wäre Russland für die Europäer geradezu ein perfekter Partner in Sachen Energiesicherheit und Rohstoffversorgung. Insbesondere die europäische Industrie ist darauf angewiesen, entsprechend versorgt zu werden. Der „alte Kontinent“ hat nämlich selbst nicht (mehr) genügend Ressourcen, um sich selbst versorgen zu können. Die feindselige Haltung der politischen Klasse innerhalb der EU gegenüber Moskau erschwert die Lage jedoch.

Zwar können die Europäer über Flüssiggaslieferungen aus den USA oder dem Nahen Osten versorgt werden, doch dies ist teurer als die Versorgung durch Pipelines wie Nord Stream 1 und 2. Und selbst Pipelines durch das Mittelmeer und den Balkan sind nicht die ultimative Lösung, da diese Region geologisch sehr aktiv ist und immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert wird.

Zudem sorgt die ständige Aufrechterhaltung von politischen und diplomatischen Feindseligkeiten dafür, dass wichtige staatliche (finanzielle) Ressourcen in einen militärischen Aufbau gesteckt werden, der bei gutnachbarschaftlichen Beziehungen gar nicht nötig wäre. Wir sprechen hier von hunderten Milliarden Euro während der nächsten Jahre, die in die Rüstungsindustrie fließen sollen. Und das in Zeiten, in denen Investitionen in die Infrastruktur, sowie in den Sektor der Forschung und Entwicklung (F&E) deutlich sinnvoller sind.

Lesen Sie auch:  Kann sich die EU von den USA abnabeln?

Bildhaft ausgedrückt: Wer auf eine freundliche Nachbarschaft setzt, braucht aus seinem Grundstück keinen Hochsicherheitstrakt zu machen. Das Geld, das man nicht in höhere Mauern, Stacheldraht, Überwachungskameras und Waffen stecken muss, kann man für Blumenbeete, gemeinsame Grillpartys, eventuell ein neues Auto und Renovierungsarbeiten am Haus investieren.

Auch das moralinsaure Geschwätz über Menschenrechte, Demokratie und Freiheiten muss ein Ende finden. Am europäischen Wesen wird die Welt nämlich nicht genesen. Vor allem angesichts der ganzen Doppelzüngigkeit der europäischen Politik, die mehr dem Prinzip „Wasser predigen und Wein trinken“ entspricht, haben die Europäer diesbezüglich ohnehin ihre Glaubwürdigkeit verloren. Vor allem mit der Mitgliedschaft der meisten europäischen Länder in der NATO, die nur zu mehr Spannungen führt als tatsächlich zur Sicherheit beizutragen.

Vielmehr sollte das Beispiel des „Dreiecks Russland, China und Iran“ als Vorbild dienen: drei Länder mit drei völlig unterschiedlichen Kulturen und politischen Systemen die konstruktiv zusammenarbeiten. Dies funktioniert vor allem deshalb, weil sich Moskau, Peking und Teheran gegenseitig respektieren und sich nicht in die innenpolitischen Angelegenheiten der anderen Länder einmischen.

Diese drei Länder haben erkannt, dass sich der Fokus auf die wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit für alle Seiten auszahlt. Das müssen auch die Europäer erkennen, wenn sie in den kommenden 50 bis 100 Jahren überhaupt noch eine geopolitische Rolle spielen wollen. Es sich wegen moralischer Pseudoüberlegenheit und transatlantischer Unterwürfigkeit mit vielleicht zwei Dritteln der Staaten weltweit zu verscherzen, ist längerfristig keine so gute Idee.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der der technologische Wandel noch sehr große Umwälzungen mit sich bringen wird. Wir können es uns einfach nicht (mehr) leisten, Unmengen an Ressourcen in Feindseligkeiten und das Militär zu stecken. Das was wir brauchen, sind Investitionen in die Zukunft. Und ein Netzwerk von wohlgesonnenen Staaten ist sicherheitspolitisch ein besserer Schutz als Kriegsschiffe, Interkontinentalraketen und Atomwaffen. Freunde und Partner führen keine Kriege miteinander.

Hier können Sie uns folgen und unsere Artikel teilen:
Pin Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.