Zeitenwende in der Geopolitik XXII – Russland C

Riefe Russland zu den Waffen, wären einige hunderttausende Reservisten innerhalb von einer Woche in den Kasernen. Im globalen Militatarisierungsindex liegt Russland international nur auf Platz 6. Anders als in anderen Ländern sind die Teilstreitkräfte aufgeteilt in das Heer, die Luft- und Raumfahrtkräfte, die Seekriegsflotte, die Luftstreitkräfte und die Special Forces.

Geopolitisch darf dabei nicht nur die Schlagkraft einer Truppe beurteilt werden sondern auch die mittelfristigen Planungen der jeweiligen Regierungen spielen eine wichtige Rolle. Die internationalen Brandherde Russlands lassen sich leicht mit insgesamt 5 Divisionen bedienen. Ein größerer Schlagabtausch ist trotz der internationalen Drohungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekomplex nicht zu erwarten.

Anders als die USA die weltweit Militärbasen unterhält ist Russland mehr auf seine unmittelbare Nachbarschaft konzentriert. Dass Russland in den Syrienkrieg eingegriffen hat, hat vor allem mit der Türkei zu tun. Seit dem 9. Oktober 2019 hat die Türkei sich mit Luft- und Artillerieangriffen gegen Assad zu Wort gemeldet.

Zuvor hatte sich Erdogan bei Trump grünes Licht für sein Eingreifen geholt – wieder ein Zeichen dafür, dass der Amerikaner nicht geopolitisch denken kann. Denn dass Erdogan aus Treue zur NATO oder Nächstenliebe angreifen ließ, wird niemand glauben der Erdogan kennt. Erdogan hat von Beginn seiner Regierungszeit an Großmachtabsichten gehabt und hatte jetzt die Möglichkeit international aufzutreten.

An der türkischen Grenze zu Syrien wollte die Türkei natürlich keine Amerikaner stehen haben. Und als Russland einen einseitigen Waffenstillstand für seine Truppen in Syrien ausrief, war Nordsyrien der Türkei überlassen. Die Kämpfe bei Idlib sind die direkte Folge davon. Erdogan hat zu gute Erinnerungen an das Osmanische Reich. Seine Ansprüche reichen von Nordirak bis Nordsyrien. Die Türkei die bisher trotz wirtschaftlicher Rückschläge das militärische Engagement hoch hält, wird den Norden des Irak bekommen und gleichzeitig Konzepte gegen die Kurden durchsetzen. International gibt es keinen der ihm da in den Arm fällt.

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Mit Nordsyrien verrechnet sich Erdogan, denn Russland hat kein Interesse daran, dass über die Türkei der Islam in den südlichen russischen Nachbarländern gesponsort wird, denn in Russland selbst leben schon 18 Millionen Muslime – vorwiegend Tataren. Mit der Krim hat sich Putin kein leichtes Erbe in dieser Beziehung nach Russland hereingeholt. Putin wird also sehen, dass der alawitische Assad den Norden behält, denn Alawiten haben einen fast säkular zu nennenden Glauben und sind daher das Gegenteil von den wetteifernden Glaubensrichtungen des Islam.

Wer Russland den Vorwurf macht Aggressor zu sein, der soll sagen wo Russland zuletzt über die Grenzen seiner direkten Nachbarn hinaus, die ja bis vor kurzem mit Russland noch einen gemeinsamen Staat bildeten, außer Syrien noch Konflikte hat.

Von Hans-Jürgen Klose

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