Zeitenwende in der Geopolitik XXI – Russland B

„Unzerstörbare Union freier Republiken,
ie das große Russland für immer geeint hat.
Es lebe geschaffen vom Willen der Völker
die einzige mächtige Sowjetunion.“

Das war einmal die Hymne der Sowjetunion. Und irgendwie nimmt Putin das heute immer noch wörtlich. Das was früher mal die GUS war ist politisch heute mehr eine Randerscheinung geworden. Russland hat es verstanden fast alle diese Republiken so einzubinden, dass alle Nachbarn Frieden halten. Kleinere Kriegsausbrüche hat es von Anfang an gegeben, aber ohne dass sie sich ausgeweitet hätten. Wenn jetzt russische Truppen an der Grenze der Ukraine aufgezogen sind ist das ein Zeichen, dass Russland das ehemalige GUS-Mitglied Ukraine nicht so einfach ziehen lässt. Aus dem Blickwinkel der Geopolitik die natürlichste Sache der Welt. Als Zeichen an alle ehemaligen Sowjetrepubliken, als Zeichen an den machthungrigen Westen und als Drohung an den von Russland abhängigen Nachbarn, der mit dem Westen allzuheftig flirtet.

Die wohl bedeutendste Herrscherin in der Geschichte Russlands, die geborene von Anhalt-Zerbst, Katharina die Große, wird heute noch in Russland tief verehrt. Dass die Zarin in der Jugend Katharinas gemeinsam mit dem Preußenkönig diese junge Frau zur Ehefrau des auch aus Deutschland importierten Peter III. (Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein Gottdorf) aussuchte, damit beide als ihre Nachfolger das Zarenreich zusammenhalten sollten zeigt, dass eine passende Mentalität zwischen den beiden Völkern bestanden hat. Katharinas Schwiegermutter war Tochter des Russland prägenden Peters des Großen.

Was haben Deutsche und Russen miteinander zu tun? Dass auch Putin beim KGB deutsch lernte, um dann für einige Jahre in Dresden Dienst zu tun und dann später der Präsident Russlands zu werden – sind so was Zufälle, oder kommen wir da an die tieferen Schichten der Geopolitik? Putin hat die Zeit in der DDR in guter Erinnerung, er war im KGB auch in Deutschland in einer Vorgesetztenfunktion. Dass dann später Schröder nach seiner Zeit als Bundeskanzler Putins Feund wurde, war ja von beiden sicher keine Berechnung. Ich glaube der SPD ziemlich fern zu stehen, aber Schröder hat mit Nord Stream 2 Deutschland mit Russland tiefer verbunden, als es alle gewollte Außenpolitik hätte tun können. Wir werden in dieser Zeitenwende ohnehin schauen müssen, wer von den Global Playern zu uns passt. Merkel ist bald weg – Zeit für einen Neuanfang.

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Der Westen – sprich die EU und die USA – hat mit der politischen Annexion der Ukraine Russland den Puffer zu den ihm noch immer feindlich gesinnten Staaten genommen. Russland konnte sich die Entwicklung in Ruhe ansehen, denn trotz der Rohstffabhänigkeit der Ukraine war sicher keiner im Westen gewillt, mit eigenen Lieferungen russische Lieferausfälle auszugleichen. Die zuvor 150.000 russischen Soldaten an der Grenze zum Donbass demonstrieren, dass Putin nicht gewillt ist seine Einflusssphäre weiter schmälern zu lassen.

Die Bundesrepublik ist in moralischer Hinsicht das letzte Land, das sich in diesen Disput einschalten sollte. Die Instinktlosigkeit des jetzigen deutschen Außenministers mag ein Produkt der Reinigung der Lehrstühle für Geschichte in Deutschland während des Historikerstreits in den 70-iger Jahren bei uns sein, bei dem jeder Professor entfernt wurde der anders denken wollte, als es das verordnete Nation Building zuließ. Aber bevor jemand Außenminister wird, sollte er sich doch noch mal ein eigenes Bild machen. Die Ukraine setzt sich zusammen aus den Flächen, die vor dem 2. Weltkrieg zur Tschechoslowakei, Rumänien, Polen und zum Großteil der UdSSR gehörten.

Als deutsche Truppen im Blitzkrieg in die Sowjetunion eindrangen, sahen viele Politiker der damaligen Ukraine die Zeit für gekommen, die Unabhängigkeit zu proklamieren. Was dann ja von den Deutschen abgeblockt wurde, indem man diese Politiker ins KZ Sachsenhausen brachte. Als dann die Ukraine durch die Truppen des Deutschen Reich eingenommen war, richtete sich der Widerstandswille der Ukrainer gegen die Deutschen. In der Folge kam es zu gewaltsamem Vorgehen gegen Widerstandsnester das dann eskalierte als sich die ukrainsischen Partisanen zu vollständigen Truppenteilen formierten.

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Auch damals war die Ukraine in sich gespalten – 80.000 Ukrainer warben bei der Wehrmacht, 17.000 bei der SS-Division Galizien an. Der Rest der wehrfähigen Männer ließ sich bei der Roten Armee eintragen.

Von Hans-Jürgen Klose

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