Zeitenwende in der Geopolitik XX – Russland A

Russland ist flächenmäßig der größte Staat der Erde. Er erstreckt sich über zwei Kontinente, wobei im europäischen Teil 85 Prozent der Einwohner leben. Mit 8,5 Einwohnern pro Quadratkilometern ist es eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde. An seine Grenze stoßen 14 Nationen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatten westliche Politiker lange Zeit den Plan Russland zu zerlegen, damit es für die westliche Wirtschaft verdaubar würde. Auch unsere CDU war an diesen Aktivitäten beteiligt wie mir der damals für Russland zuständige Andreas Renatus Hartmann bei einem unserer Treffen mitteilte. Man wollte mit großen westlichen Investitionen Finanzzentren wie St. Petersburg so stark machen, dass die nachrückende Industrie die politischen Geschicke unabhängig von Moskau in die Hand nehmen konnte.

Dazu war dem Westen der ultrarechte Schirinowski genau der Richtige, denn es würde ein Leichtes sein ihn bei seinen ständigen Missgriffen nach getaner Arbeit abservieren zu können. Zunächst sollte die starke Hand alles in die gewünschte Richtung lenken. Aber mit einem Mal war dieser Traum ausgeträumt, als der vom Westen ausgesuchte zukünftige Präsident bei einem Polenbesuch von der Presse auch nach Ausschwitz befragt wurde. Seine Antwort beendete schlagartig seine Karriere: „Wenn die Spatzen nicht aufhören zu schießen, sollen sie sich nicht wundern wenn auf sie geschossen wird.“ Der Rest der Geschichte ist bekannt – wie der Phönix aus der Asche kam der KGB-Mann Putin und gewann die Wahl.

Wladimir Putin hat Russland zusammengehalten und wieder zu einer Macht gebracht, wie sie das Land früher immer hatte. Dass er sich bis heute und wohl auch in den nächsten 10 Jahren behauptet ist für Russland nach Gorbatschow und Jelzin das Beste, was dem Land passieren konnte.

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Putin hat Russlands Militär wieder zu einer weltpolitischen Schachfigur gemacht und auch die Presse so weit im Griff, dass das westliche Unterwandern keinen Erfolg hat. Die Presse hat mit dem Thema Ukraine eine Fehlperspektive. Die Ukraine hat weder eine politische Elite die Beständigkeit verspricht, noch Ressourcen um eine Wirtschaftkraft zu entwickeln die tragfähig ist. Der Westen hat der Ukraine Flausen ins Ohr gesetzt. Der gesamte östliche Bereich – nicht nur die Grenzregion – ist überwiegend von Russen bewohnt. Das was im Westen des Landes einmal Galizien war, hat nur wenig Verbindung zu den Bereichen die zukünftig wieder zu Russland gehören werden. Die Zeit spielt da für die Russen.

Unsere östlichen Nachbarn in Polen haben sich ganz auf die USA verlegt, so dass sie der amerikanischen Politik folgend gegen Russland Front machen. Und obwohl Deutschland Geld auf allen möglichen Wegen ins Land pumpt, bestehen bei den Polen weiterhin die alten Ressentiments gegen uns. Die gesamte Diplomatie ist in Polen auf die USA abgestimmt. Man wird sehen, dass Corona auch da die Gemüter etwas kühlt. Die transatlantische Verbindung Warschau – Washington funktioniert so lange, wie Geld da ist. Die amerikanischen Manöver in Polen die auch dem Baltikum Stärke zeigen, sollen werden zukünftig etwas dünner ausfallen. Russland hat die Souveränität darüber hinweg zu sehen, denn die russische Armee – über die ich im nächsten Kapitel berichte – kann über solche Manöverzahlen nur lachen.

Von Hans-Jürgen Klose

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