Zeitenwende in der Geopolitik XVIII – Südafrika

Wenn bei uns in Deutschland über Nelson Mandela und das Ende der Apartheid gesprochen wird, verklärt sich bei wohlerzogenen Deutschen der Blick. Wer jedoch das Land am Kap bereist oder Beziehungen nach dorthin unterhält, wendet sich ab mit Schauder. Mandela war kein Politiker, obwohl man ihn einfach aufs Podest stellte und zum Präsidenten machte – Friedensnobelpreisträger muss man schließlich auch zu Staatspräsidenten machen (Siehe Myanmar). Fast spontan rutsche das Land in einen Primitivkommunismus in dem jeder seinen Teil des bisherigen Überflusses haben wollte. Südafrika ist hier nur das krasseste Beispiel für das Ende der Rassenpolitik. Ungeschoren blieb in Afrika kein einziges Land von der Idee, dass es zivilisierte Welt nur nach westlichem Vorbild geben kann.

Am 27. April 1994 ließ Südafrika die Apartheid hinter sich und Weiße und Schwarze gingen gemeinsam zu den Wahlurnen. Seither gibt es kaum verlässliche Nachrichten bei uns in der Presse über das Land. Wie sollte man es den Leuten auch erklären, dass der Traum von „Alle Menschen werden Brüder“ ins Chaos geführt hatte? Inzwischen ist dort neben den früheren Rassismus der Weißen der Gegenrassismus der Farbigen hinzugekommen.

Heute gibt es wieder Wohnsiedlungen nur für Weiße. Der Grund ist aber keine Apartheit der Weißen – der Grund liegt darin, dass hier Flächen entstanden sind auf denen sich Weiße einigermaßen sicher fühlen können. Gewalt gegen Weiße ist zu einem Problem geworden, das bei uns nicht kommuniziert wird. Hunderte Farmen weißer Besitzer wurden inzwischen überfallen, alles Brauchbare gestohlen und die Besitzer getötet. Die Weißen haben schon längst keine Privilegien mehr und der Reichtum der früher in Südafrika herrschte ist überall bitterer Armut gewichen. Das Land gilt heute offiziell als eines der korruptesten Länder der Erde. Sowohl die Polizei als auch die politischen Parteien sind hochkorrupt.

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Ein Drittel der südafrikanischen Männer gibt bei Befragungen an schon mal eine Frau vergewaltigt zu haben. Die in Apartheidszeiten auf 64 Jahre angestiegene Lebenserwartung liegt heute bei 50 Jahren und ist die zweitniedrigste der Welt. Nach der Machtübernahme durch den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) wurde die Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Viele Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe wurden enteignet. Über eine Million Weiße verließen das Land. Nachfolger wurden die Farbigen die durch Beziehungen die Firmen bekamen – ohne Kenntnis der Materie des Betriebs und natürlich ohne Managementerfahrung. Heute sitzen die neuen Besitzer auf ihren Pfründen ohne damit wirtschaften zu können. Die Betriebe die ihre Besitzer behielten bessern das Bruttosozialprodukt des Landes enorm auf – allerdings wird das Geld ins Ausland geschafft, denn keiner weiß ja wie lange ein weißer Besitzer noch geduldet wird.

Als damals der Zweite Weltkrieg kam schickten die Engländer 200.000 weiße Südafrikaner für die englische Krone gegen Deutschland in den Krieg. Wie viele Farbige für England ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas ließen, darüber wird nicht berichtet. Damals waren schwarze Südafrikaner in der Heimat in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt – sie durften sich nicht aus ihren örtlichen Gemeinden entfernen. Gleichzeitig betrieben die Engländer eine völlige Verstädterung der ursprünglichen Landbevölkerung. Die heutigen Metropolen Südafrikas mit ihren Elendsvierteln haben da ihren Ursprung.

Südafrika hat sich weit von dem entfernt was bei uns einmal das Bild von einem „erlösten Land“ gewesen ist. 80 Prozent der Einwohner der Republik Südafrika (RSA) sind Schwarzafrikaner, doch auch die unterscheiden sich durch viele unterschiedliche Stammeszugehörigkeiten. Diese multiethnische Gesellschaft hat 11 verschiedene Amtssprachen. 25 Prozent sind arbeitslos und leben von weniger als 40 Dollar im Monat. Südafrika gilt als einer der großen Emittenten von Treibhausgasen wegen der unverändert betrieben Steinkohlebergwerke.

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Seit dem Ende der Apartheid ist Südafrika wieder Commenwealth-Mitglied – Oberhaupt: Die englische Königin.

Von Hans-Jürgen Klose

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