Zeitenwende in der Geopolitik XVII – Die Grande Nation orientierungslos in Afrika

2007 bediente Sarkozy ein bekanntes rassistisches Bild bei einer Rede in Abijan – er verglich die Afrikaner mit Kindern, was die tatsächliche Politik Frankreichs in Bezug auf den Schwarzen Kontinent widerspiegelt. Es waren über Jahrhunderte die Franzosen, die wo sie hinkamen die eigene Kultur der Afrikaner vernichteten, Kunstschätze raubten und Afrikaner an Maßstäben maßen, die Afrika fremd sein mussten.

In Afrika ist zunächst einmal ein Taktieren wie es Europäer in Politik und Wirtschaft praktizieren fremd. Zu offen liegt die Seele des Afrikaners, die wenn sie sich verstellen muss leicht die Grenze des Gesetzlosen überschreitet. Die Grande Nation sieht sich immer noch als Verfechterin der Aufklärung. Die Aufklärung ist nun schon 250 Jahre alt – erst 1960 war der Anfang vom Ende des französischen Kolonialismus. Das jedoch schwierigste Kapitel für Frankreich ist Algerien.

März 1962 Waffenstillstand Frankreich – Algerien. Der Krieg der lange Zeit nicht als Krieg bezeichnet werden durfte, sondern im offiziellen Sprachgebrauch „die Ereignisse von Algerien“ hieß, beeinflusst bis heute die französische Politik. Mit der Besetzung Algeriens wurde 1830 das zweite Kolonialreich Frankreichs begründet. Anders als die französischen Protektorate Tunesien und Marokko wurde Algerien zu einem integralen Bestandteil des französischen Mutterlandes.

Noch 1950 war jeder zehnte Algerier ein Franzose. Algerier besaßen die französische Staatsangehörigkeit. Weil jedoch die Algerier keine französische Bürgerrechte bekamen kam es zu Unruhen und einem langen Befreiungskrieg der erst 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens endete. Wobei man heute sagen muss, dass diese Unabhängigkeit mit einer Verarmung der Bevölkerung bezahlt wurde, denn französische Firmen haben bis heute wichtige Industriezweige dort in Besitz.

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Innerhalb des Unabhängigkeitskrieges legitimierte der französische Staat seine Soldaten, mit psychologischer Kriegsführung und Folter gegen die Einheimischen vorzugehen. Kein Wunder, dass es gleich nach der Unabhängigkeit zu Massenauswanderungen der in Algerien lebenden Franzosen kam. Auch Zehntausende mit Frankreich zusammenarbeitende algerische Kollaborateure übersiedelten nach Frankreich. Die gesamte Bildungselite und der wirtschaftliche Mittelstand ging so Algerien verloren.

Ich sage nicht, dass Frankreich das wieder gut zu machen hat. Da es Geschichte ist lässt sich das alles nicht mehr ändern. Heute stellen Farbige 20 Prozent der Bevölkerung in Frankreich. In weiten Teilen sind deren soziale Probleme noch immer nicht gelöst. Frankreich interveniert allerdings auch militärisch wieder in Schwarzafrika.

Im Jemen hat Frankreich offiziell keine Soldaten. Offiziell liefert es auch dort keine Waffen hin. Es werden jedoch dort im Süden der arabische Halbinsel französische Waffen in diesem unübersichtlichen Krieg eingesetzt. Saudi-Arabien hat seine Kampfflug zeuge seit nun mehr einigen Jahren gegen die Huthi-Rebellen im Einsatz. Die gleichen Kanonenwagen wie sie im Jemen im Einsatz sind, hat Frankreich nun auch an Saudi-Arabien geliefert – 160 vom Typ „Caesar“. Eine mobile Artellerie von der Kanonenwagen, die 6 Raketen pro Minute mit einer maximalen Reichweite von 500 Kilometern verschießen können. Auch diese Lieferung leugnet Frankreich offiziell. Bei ihrer Anhörung im Parlament äußerte jedoch die Ressortchefin „ Solche Exporte sind unerlässlich für den Bestand der französischen Rüstungsindustrie“. Was ist das für eine Politik, in die sich Frankreich da wieder verstrickt?

Der Jemen kommt seit Jahrzehnten aus den Krisen nicht heraus. Jeder männliche Jemenite besitzt wenigstens eine Schusswaffe (Säuglinge und Greise mit eingerechnet).

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Huthi-Rebellen sind die stärkste militärische Kraft des Landes und gehören zur Minderheit der Zaiditen, einer Facette des schiitischen Islam. 2004 erhoben sich die zaiditischen Kämpfer gegen die Regierung in Sanaa – sie sehen ihre Religion durch westliche Einflüsse gefährdet. Sie sprangen 2011 auf die Protestbewegung des Arabischen Frühling gegen den Langzeitherrscher Ali Abdullah Salih. Dessen Nachfolger Mansur Hadi musste ins Ausland fliehen und sie brachten einige Provinzen unter ihre Kontrolle und eroberten 2014 die Hauptstadt. Der Iran als ein schiitischer Staat unterstützt die Rebellen mit Waffen und Ausbildern. Saudi-Arabien, das den Schiiten feindlich gegenübersteht, hat inzwischen seine Luftwaffe in fast ständigen Einsatz gegen die Huthis.

Hier hört es sich in unserer Presse so an als seien die Huthis die einzigen Feinde der als Stellvertreter agierenden Saudis. Jedoch längst haben örtliche Ableger der al-Quaida (AQAP) ihre Hände im Spiel – und da schließt sich der Kreis bei Frankreich – die Toten von „Charlie Hebdo“ sind Auslandsofer dieser AQAP. Frankreich täte gut daran, sich um die sozialen Probleme im eigenen Land zu kümmern und die internationale Lage in Afrika nicht weiter zu verschärfen.

Von Hans-Jürgen Klose

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