Zeitenwende in der Geopolitik X – Tradition und Moderne – Die Marine

Es ist bequem sich am Fernseher zurückzulehnen und ein bisschen über Bundeswehr, Auslandseinsätze und wieso eine Zivilgesellschaft so was noch braucht zu diskutieren. Dass normalerweise es das Miltär ist, das die Handlungsfreiheit der Regierung sicherstellt ist bei den meisten vergessen.

Als mit Beginn der Bundeswehr die Marine aufgebaut wurde, haben weltkriegserfahrene Marinemänner die in der Übergangsphase in alliiertem Auftrag ihren Dienst taten die beiden entstandenen Machtblöcke UdSSR und USA auf See auseinandergehalten. Leute wie Hans Helmut Klose, der spätere Oberbefahlshaber der Bundesmarine haben damals mit ihren filmreifen Abenteuern den Ruf deutscher Marinesoldaten aufrechterhalten.

Auch wenn sich die Verteidigungsministerin darum bemüht Tradition in der deutschen Truppe den Boden zu entziehen, gibt es ausreichend Kreise die wissen wie wichtig das Erinnern an die Einheiten und Männer ist, die vor ihnen die Fahne hochgehalten haben. Wenn jemals die Bundeswehr wieder in der deutschen Bevölkerung als das anerkannt werden soll was sie ist – als Garant für die Sicherheit – hat Tradition der Truppe eine Bedeutung.

Wenn auch insgesamt die wehrpolitische Ausrichtung in Deutschland beklagenswert ist, so gibt es doch einige Lichtblicke. Einer davon ist die jetzt begonnene Entwicklung der maritimen Allzweckwaffe MKS 180. Vier dieser Fregatten sind bestellt. Der Bau erfolgt zu 80 Prozent durch deutsche Firmen (Blohm+Voss, die Bremer Lürssen-Werft und Thales Führungs- und Waffeneinsatzsysteme sowie die German Naval Yards Kiel). Die Koordination der Arbeiten erfolgt durch die niederländische „Damen Schelde Naval Shipbuilds.

MKS steht für „Mehrzweckkampfschiff“. Das MKS 180 kann bis zu 2 Jahre auf See bleiben. Ausgestattet ist es mit dem Missionsmodul ASW (Anti Submarine Warfare) mit dem geschleppten tieffrequenten Aktivsonar das zusammen mit dem Bordhubschrauber den Aktionsradius vor allem im Bereich der U-Bootjagd wesentlich erweitert. Mit speziellen Modulen lassen sich die Schwerpunktsetzungen von MKS 180 schnell verändern und die Fregatten zum Beispiel für Aufgaben wie zuletzt im Mittelmeer anpassen.

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Ein zweiter Bordhubschrauber und ein Dohnensysten können ebenfalls optional an Bord gebracht werden. Auch an Gerät für eine Facharztgruppe sowie an Fernmelde- und EloKa-Ausrüstung wurde gedacht. Führungsfähigkeit in maritimen Verbänden ist gewährleistet.

Die Marine hat in Deutschland immer eine wichtige Rolle gehabt. Das ist bei einer Gesamtküstenlänge von 3500 km an sich selbstverständlich. Eine Seemacht war Deutschland bis ans Ende des 19. Jahrhunderts nie. Erst die Anstrengungen der kaiserlichen Marine änderten das innerhalb von nicht einmal 20 Jahren.

Wir brauchen kein weltumspannendes Marinenetz, aber man sollte in der Lage sein dss eigene Land von See her zu verteidigen. Die internationale Seefahrt hat viele Probleme – vor allem in den Krisengebieten. Wenn jetzt der Anfang gemacht worden ist, sollte weiter überlegt werden, ob schwierige Gewässer nur im Rahmen von Seenotrettung angefahren werden sollten.

Bei dem jetzt begonnenen Kampf um die Ressoucen in der Arktis und der Antarktis ist Deutschland zur Zeit nur Zuschauer. Es ist abzusehen, dass die Verträge die für die Nutzung der Arktis und der Antarktis geschlossen wurden als Schelfeis jeden Zugang zu den Bodenschätzen verwehrte, jetzt bald Vergangenheit sind. Seit Erdöl, Erdgas und Rohstoffe unter dem Meeresgrund durch die Eisschmelze in erreichbare Nähe gerückt sind, sind vor allem in Küstenländern verstärkte Anstrengungen zu beobachten durch Entsendung von Schiffen deutlich zu machen, dass ansprüche bestehen – teilweise sind dazu sogar Kriegsschiffe entsandt worden.

Russland demonstrierte jetzt gerade bei einer eigens dafür angesetzten Übung, wie drei Atom-U-Boote gleichzeitig mit ihren Aufbauten Meter dickes Eis durchbrechen. Das ist als demonstrativer Anspruch und gleichzeitig als Dohung der Russen zu verstehen. Niemand hat so viel Erfahrung mit dem arktischen Eis wie Russland. Zwar haben sowohl Kanada als auch die USA ihre Schiffe dort, aber keiner wagt es anzunehmen, dass jemand Russland da Konkurrenz bieten kann. Was das bei sich weiter veränderdem Klima bedeutet, lässt sich heute schon ausrechnen.

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Dass Neuschwabenland erst 1938 von den Deutschen entdeckt wurde, darf heute nirgendwo mehr erwähnt werden. Dass Träumer und Vergangenheitsbewältiger die Ost-Antarktis zum Mythos gemacht haben, erleichtert die Sache nicht gerade. Aber wer sich international ohne eigenen Vorteil so zugunsten anderer Länder so engagiert wie wir, sollte über alten Besitz noch einmal mitsprechen.

Von Hans-Jürgen Klose

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