Zeitenwende in der Geopolitik VI – Rüstungsbetriebe

Digitales Gipfeltreffen der EU-Regierungschefs – im Raum stand die Frage, wie weit sich die EU von den USA verteidigungspolitisch emanzipieren sollte. Bekommt man für 300 Milliarden Euro pro Jahr eine europäische Verteidigungsstruktur hin? Natürlich ist diese Frage nur rein rhetorisch gestellt – natürlich bekommt man für das Geld ein schlagkräftiges Militär. Bei dieser Frage sollte man einmal nachhören, wie der IS und Boko Haram das machen, dass sie mit Spendengeldern der eigenen Gemeinde so aufbauen, dass den internationalen Eingreiftruppen über all die Jahre hinweg kein Erfolg gelang.

Gäbe es einen verteidigungspolitischen Konsens in Europa, hätten wir binnen eines Jahres ein Verteidigungssystem das Europa zur Weltmacht machen würde. Alles Gerede seit Bestehen der EU über europäische Verteidigungspolitik einschließlich der Bestrebungen der GSVP, dem Gremium dem seit dem Vertrag von Nizza (2001) – die Koordination wehrpolitischer Themen in Europa als Auftrag, gilt als handeln ohne den Rückhalt eines politischen und erst Recht eines militärischen Gemeinschaftssinnes. Die Liste der europäischen Militäreinsätze im Ausland der letzten fünfzehn Jahre liest sich wie die Wunschliste einer Gruppe von Hausfrauen, die statt Kuchenrezepte auszutauschen jetzt plötzlich über Verteidigungspolitik sprechen soll. Die europäische Karte sollte was Militär betrifft von Deutschland nicht mehr gespielt werden. Deutsche und US-amerikanische militärische Interessen haben keinerlei Schnittpunkte. Spätestens seit Trump ist dem letzten Transatlantiker klar, dass die Europäische Union auf die NATO keinerlei Einfluss hat. Was tun?

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Rüstungsindustrie in Deutschland zunächst aufgelöst und später unter internationale Kontrolle gestellt. Die meisten Industrieunternehmen in Deutschland geben ihren Umsatz mit Rüstungsgütern aufgrund der Voreingenommenheit von Öffentlichkeit und Presse gar nicht oder nur geschönt an.

Lesen Sie auch:  Zeitenwende in der Geopolitik V - Atomwaffen und Weltpolitik

Heckler und Koch dürfte der leistungsstärkste Hersteller von Handfeuerwaffen innerhalb Europas sein. In den Querelen um ein neues Sturmgewehr der Bundeswehr hatte das deutsche Verteidigungsministerium versucht Heckler und Koch aus dem Rennen zu werfen. Inzwischen hat sich nach Jahren ohne Lösung das alles etwas gelegt und der Auftrag dürfte nun doch an H+K gehen.

Jenoptik hat eine Sparte „Defence and civil systems“ in der die infrastrukturell wichtigen Stromaggregate für militärisches Equipment gebaut werden. Mit einem Umsatz von jährlich 230 Millionen Euro sollte das ein zuverlässiger Partner der Militärplaner auf deutschem Boden sein.

MTU Aero hat eine Bedeutung die wenig bekannt ist – sie stellt Düsentriebwerke für Kampfjets her. Da andere Komponenten des Eurofighter aber im Ausland hergestellt werden gilt hier noch immer die internationale Kontrolle aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg.

Wir hätten auch unseren eigenen Produzenten für Lenkflugkörper und bodengebundene Luftverteidigung in der Firma Diehl Defence in München. Aufträge hätte die Bundeswehr dann genug, wenn das Verteidigungsministerium anfangen würde deutsch zu denken

Krauss-Maffei Wegmann ist ohnehin ein Begriff auf den internationalen Kriegsschauplätzen – Kampfpanzer, Flugabwehr- und Artelleriesysteme (1 Mrd. Umsatz pro Jahr).

Thyssen-Krupp hat immer noch U-Boote und Marineschiffe im Portfolio mit einer jährlichen Produktionskapazität die jedes Marineherz höher schlagen lässt (Umsatz 1,8 Mrd).

Und Rheinmetall schließlich baut gepanzerte Fahrzeuge und stellt Waffen und Munition im Wert von 3,2 Mrd. jährlich her.

Muss man rechtsradikal sein um zu verlangen dass die Bundeswehr ein Mitspracherecht bei der Entwicklung bekommt und dafür Hauptkunde wird?

Ich weiß nicht, wo wir auf die USA angewiesen sind.

Lesen Sie auch:  US Indo-Pacific Command strebt Ring von Raketenstandorten vor der chinesischen Küste an

Die Corona-Zeit und die Versorgung mit Impfseren hat gezeigt – wenn es drauf ankommt, ist so und so jedes Land für sich allein. Jeder der anderes behauptet, möchte eine deutsche Abhängigkeit.

Die Bundeswehr hat als einziges Militär der Welt keinen Großen Generalstab. Dafür werden Aufgaben an zig Referate und Abteilungen verteilt, in denen das Personal parteiabhängig alle paar Jahre wechselt. Es ist also alles getan, um Deutschland wehrunfähig zu halten. Und das muss sich ändern.

Hier können Sie uns folgen und unsere Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.