Zeitenwende in der Geopolitik V – Atomwaffen und Weltpolitik

Keine geopolitische Beurteilung der Weltlage, ohne auf atomare Bewaffnungen zu schauen. Die Bundesrepublik hat offiziell eine sogenannte „atomare Teilhabe“ innerhalb der NATO am Atomwaffenarsenal der Vereinigten Staaten. Jeder jedoch der sich mit dem Thema befasst sieht schnell, dass die Teilhabe ein Hirngespinst ist. Zwar lagern in Deutschland amerikanische Atomsprengköpfe, allerdings werden deutsche Soldaten geschweige denn deutsche Politiker niemals Zugriff darauf haben. Dass es zu keiner nennenswerten Abrüstung im atomaren Bereich gekommen ist hat längst nicht mehr mit der angespannten Lage zwischen Amerika und Russland zu tun, als vielmehr mit dem Bewusstsein, dass Pakistan und Israel Atomwaffenträger sind und beide Länder international als unberechenbar gelten. Neben Atomsprengköpfen wirken alle anderen Waffensysteme wie Gartenzwerge.

Japan hat als einziges Land durch die Abwürfe in Hiroshima und Nagasaki die verheerende Wirkung dieser Waffe erfahren – obwohl die damalige Sprengkraft nicht zu vergleichen ist mit dem, was eine Bombe heute anrichten könnte. Dass Terroristen an Atomwaffen kommen könnten ist heute nur über Pakistan möglich. Man sollte Pakistan dafür jede erdenkliche Unterstützung im wirtschaftlichen Bereich anbieten, dass die Regierung in Islamabad das Atomwaffenarsenal kontrolliert auf null bringt. Hier könnten deutsche Politiker sinnvolle Entwicklungshilfe leisten. Dass das in keiner deutschen Partei Option ist, lässt sich nur mit mangelnder Weltkenntnis erklären.

Israel ist diplomatisch durch die Trump-Regierung aufgewertet worden. Die atomare Bewaffnung Israels ist derzeit sicherlich die größte Bedrohung für den Weltfrieden, denn die Spannungen zwischen dem Iran und den Israelis haben in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen. Dass Trump durch seinen ungeschickten Schachzug dem Iran jetzt die Möglichkeit gab, zur Atommacht aufzusteigen, ist unentschuldbar. Der Iran hat nicht nur ausreichend Uran sondern auch eigene Wissenschaftler die inzwischen weiter sind als es der Weltöffentlichkeit vorgespiegelt wird. Erneute Gespräche mit dem Iran über Atomprogramme sind im Augenblick nicht wahrscheinlich. Also bleibt die Golfregion ein Pulverfass, dessen Spannungen sich erst nach Abzug der amerikanischen Truppen dort lösen dürften. Ein atomarer Schlagabtausch zwischen dem Iran und Israel ist ein Szenario, das jetzt nicht aus der Welt zu schaffen ist.

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Frankreich als Atommacht hat eher symbolischen Wert. Die Force de Frap ist hoffnungslos veraltet. Dass sich Frankreich dennoch als Großmacht fühlt hat eher mit seiner Geschichte als mit der Wirklichkeit zu tun. Das aggressive Verhalten der Franzosen in ihren ehemaligen Kolonien in Afrika sollte zu einer engen Kontrolle durch die europäischen Partner führen, zumal Frankreich stark auf die Partner angewiesen ist. Nach der Merkel-Zeit dürfte auch Macron etwas zurückhaltender werden, zumal er im eigenen Land noch mehr als ausreichende Probleme zu lösen hat.

Indien ist der einzig ernst zu nehmende Feind Pakistans. Gespräche zwischen Indien und Pakistan sind aber ergebnislos solange der überwiegend islamische Teil Kaschmirs von Indien nicht aufgegeben wird. Dieser Teil ist in den letzten Konflikten in Afghanistan immer wieder unkontrollierbarer Rückzugsraum für islamische Truppen gewesen. Würde der islamische Teil Kaschmirs Pakistan überlassen, würden Islamisten von Regierungstruppen an der Grenze abgefangen um Pakistan keinen internationalen Spannungen auszusetzen.

England ist dabei, sich Indien wieder mehr zuzuwenden. Lange Zeit galt Indien wegen seiner großen Rohstoffvorkommen und seines riesigen Absatzmarktes als englisches Kronjuwel. Im Rechts- und Bildungssystem sowie im Kastenwesen hat England tiefe Spuren dort hinterlassen, allerdings sind die sozialen Gegensätze dadurch fast unüberbrückbar geworden. Die Hindus und Muslime sind auf dem Subkontinent erst verfeindet, seit die Briten nach dem alte „Divide et impera“ die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen den Religionen so verschärften, dass heute beide Parteien kaum noch zusammenkommen können.

Von Hans-Jürgen Klose

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