Zeitenwende in der Geopolitik III – Aufrechterhaltung der Macht in Demokratien

Es gibt zur Aufrechterhaltung der Macht in Demokratien zwei verschiedene Möglichkeiten: Die aus kommunistischen Staaten bekannte Androhung von Zwang und Gewalt und die in allen Demokratien nach westlichem Muster genutzte psychologische Manipulation. Seit Menschen als gleich und gleichberechtigt gelten, sind andere Maßnahmen für die Herrschenden erforderlich, als es über Jahrtausende hinweg bis dahin der Fall war.

Die beiden Weltkriege haben aristokratische Herrschaftsstrukturen in den meisten Ländern beendet. Sagte man statt „Demokratien“ „Volksherrschaften“ müsste man wahrscheinlich selber stutzen, weil in dem Wort „Volksherrschaft“ etwas von den Exzessen der Revolutionen in Frankreich und Russland mitschwingt. Also bleiben wir zunächst beim Wort „Demokratie“. Man sollte meinen, dass Demokratie auf der Basis einer Freiwilligkeit funktioniert, also aus Einsicht. Aber selbst wenn man das sagte, hakt irgendwas. Denn da eben doch nicht alle gleich sind, ist es mit der Einsicht so eine Sache. Wenn Tausende in der Pandemiezeit ohne Mundschutz und Abstand in Frankreich und Deutschland gegen Corona-Auflagen demonstrieren wird deutlich, dass Einsicht keine Grundlage sein kann. Zudem besteht Ungleichheit zwischen den Menschen in Bezug auf Engagement, Dominanzverhalten und Wissen.

Wenn sich Gesellschaften umstrukturieren, durchlaufen sie immer Gefahrenzonen in denen Gewalt nahe liegt. Rein akademisch betrachtet ist Deutschland das Studienobjekt par excellence. Während die Sowjetunion als Siegermacht in der DDR sofort das Rüstzeug der Räterepubliken auspackte, wollten die USA den Deutschen die in Amerika erprobten Prinzipien der gewaltlosen Führung beibringen. Das Gemeine an der Sache ist nur, dass auferlegter Zwang und angedrohte Gewalt von allen wahrgenommen werden, die westlichen Methoden jedoch nicht…

So war sich in der DDR jeder der Konsequenzen bewusst der sich Gedanken darüber machte nicht den staatlichen Vorgaben zu entsprechen. Der allergrößte Teil der DDR-Bevölkerung arrangierte sich und fand für sich Freiräume die das Leben lebenswert machten. Im Westen der ja den Anspruch auf „Freiheit“ hat, waren DDR-Methoden undenkbar. Dass sich Bundesbürger deshalb für überlegen gehalten haben ist eines der traurigen Kapitel in der Geschichte der Demokratien.

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Die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse mit ihren Todesurteilen hatten im Westen allen klar gemacht, dass es in Zukunft nichts mehr geben würde, was den USA widersprach.

Es gibt eine von den Wenigsten gelesene Fachliteratur des „Demokratiemanagement“, also von Methoden durch die sich Denken, Fühlen und Verhalten von Bevölkerungen manipulieren lassen und wie nötigenfalls aufkommende Bürgerbewegungen zu spalten oder zu zerschlagen sind – natürlich auf Englisch:

„Taking the risk of democracy“ von Alex Carey

„The business assault on labor and liberalisms“ von Elisabeth Fones-Wolf

“The age of acquiescence” von Steve Fraser

Im Osten gab es solche ausgefeilten Manipulationstechniken der Sozialpsychologie und der Sozialwissenschaften nicht.

Interessanterweise hat Frau Merkel den Sprung von der einen Führungselite in eine, die für sie mehr Zukunft zu haben schien, problemlos geschafft. In ihrer FDJ-Zeit gab es genug Sekretäre für Agitation und Propaganda die durch offensichtlichen Druck die zukünftigen Kader der Politik formten. Auch wenn das der Vergangenheit angehören mag so ist doch diese Kaderpolitik wesentlich humaner als die psychologische Finesse. Beim offensichtlichen Druck wie DDR-Bürger ihn kennen hat das „Ich“ die Chance, durch innere Distanzierung gerade zu bleiben.

Allerdings fragt man sich wie viel Gewissenlosigkeit dazu gehörte übergangslos von einer Ansicht zur gegenteiligen zu wechseln wie es Merkel offensichtlich geschafft hat. Das letzte Wort ist in all diesen Fragen noch nicht gesprochen.

Von Hans-Jürgen Klose

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