Geopolitik in der Zeitenwende XII – Asien – Vorsicht vor Abhängigkeiten

So wie Amerika seine Cowboy-Mentalität auch in der Geopolitik behalten hat, so hat China eine Geopolitik, die vielleicht weniger brutal aber um so gefährlicher ist, eher weiter ausgebaut. Die Volksrepublik hat seit ihrem Bestehen keine Kriege geführt. Die Hochrüstung die das Land seit einigen Jahren betreibt, zusammen mit dem Wissenschaftsdrang auch in unbekannte Gebiete vorzudringen, sollte jetzt bei allen zu einem Umdenken führen.

Westliche Wissenschaftsansätze wurden übernommen, aber die alten Konzepte die hinter die körperlichen Fassaden schauen, erweisen sich immer weiter als Vorteil. Dass im Körper Energien eine Rolle spielen, die mit unserer Physik nichts zu tun haben, weiß dort jeder Wissenschaftler – dass der wissenschaftliche Austausch bis auf wenige Ausnahmen sich auf das beschränkt was der Westen ohne Weiteres annehmen kann, fällt in Europa und Amerika kaum auf. Wir werden dazulernen müssen um Schritt zu halten. Das Nebeneinander verschiedener Wissenschaftskonzepte hat in fast allen Bereichen der Forschung in China erste Erfolge. Dass Viren mit der Physik wie sie im Westen verstanden nicht immer beizukommen ist, hat man jetzt auch bei uns gemerkt.

Wo hört Europa auf und wo fängt Asien an? Geographisch lassen sich da nur willkürliche Grenzen ziehen. Der Eurasische Kontinent ist durch all die Flugverbindungen kleiner geworden, sowohl für den Handel als auch für Militär und Medizin. Sieht man von den aufregenden Schlagzeilen über China-Taiwan oder China-Hongkong oder Korea einmal ab, dringt nur Weniges aus Eurasien bis zur europäischen Presse vor.

Der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) hat insofern noch eine Bedeutung, als er einmal eine Kopie der Europäischen Gemeinschaft werden sollte. Dass dann alles anders kam ist natürlich auch auf China zurückzuführen. China hat Asien an sich zu binden verstanden. ASEAN hat nur noch eine angenehme Nostalgie und wenn die USA da noch weiter dran glauben, wird Covid nicht die letzte Überraschung aus China gewesen sein. Zudem ist die chinesische Diplomatie für Westler kaum verständlich. Ich wurde vor einigen Jahren von einem chinesischen Manager abends beim Bier gefragt, ob deutsche Kaufleute ihm alles glauben würden, was er ihnen erzählt. Ich war etwas überrascht über die Frage und antwortete mit einem zögerlichen Ja. Er war schon darauf vorbereitet und meinte „Aber dann fehlt ja Raffinesse und jeder Verstand“.

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Die USA zählen Thailand zum Kreis der wichtigsten Bündnispartner außerhalb der NATO. Das Land war während des Vietnamkriegs Aufmarsch- und Versorgunggebiet gegen Nordvietnam und wurde dabei völlig amerikanisiert. Es entwickelte sich eine Oberschicht der Kriegsgünstlinge. Der Rest der Bevölkerung verarmte völlig. Dass das Land jetzt durch Rama X., den neuen König, wieder zu atmen beginnt lässt hoffen, dass auch da das amerikanische Vorbild bald vergessen ist. Dass der König sich über die Hälfte des Jahres in seinem Lieblingshotel in Deutschland aufhält, sollte nicht nur ein Thema für die Klatschpresse bleiben. Deutsche Politiker bekommen selten einen Machthaber so hautnah präsentiert – ist die Zurückhaltung in Berlin der Klatschpresse geschuldet, oder schaut der große Bruder, dass da keine prodeutsche Verbindung mit Thailand entsteht?

Thailand ist Gründungsmitglied der ASEAN-Gruppe. Auch sie war Folge des Vietnamkriegs und spiegelt noch einmal den Einfluss der Amerikaner in früherer Zeit wider. Damals gegen den Ostblock und China gerichtet ist unter dem Einfluss des heutigen China die Gruppe (Thailand, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Vietnam, Kambodscha, Brunei, Myanmar, Laos) schon weitgehend unter chinesischem Einfluss. In der Retrospektive haben die Gründungsmitglieder einen wichtigen Punkt übersehen und sind deshalb zwischen die Stühle geraten.

China hat inzwischen in Asien eine Dominanz die es keinem dort erlaubt eine andere Ausrichtung zu haben als die nach China. England und die USA haben diesen Wettlauf verloren. Die Gründungsmitglieder des ASEAN-Pakt haben eine Gefahrenzone noch nicht strategisch neu bewertet. China hat inzwischen eine Luftwaffe die es mit den anderen Großmächten aufnehmen kann. Sie ist eine von sechs Teilstreitkräften und hat 250.000 Soldaten. Anders als in anderen Ländern verfügen sowohl die Luftwaffe als auch das Heer über Luftlandeeinheiten. Die 1800 Kampfjets verteilen sich auf Luftwaffe und Marine. Auch China hat seit vier Jahren Tarnkappen-Flugzeuge in Betrieb. In der Bomberflotte ist vor allem der Xian-H6 in seinen verschiedenen Ausbaustufen den amerikanischen Maschinen gleichwertig. Die 30 20-H 6 sind mit Atombomben bestückbar und gehen in ihrer Entwicklung auf russische Bomber zurück. Drohnen-Technologie ist auch in China und seiner Luftwaffe stark im Kommen. Das zeigt sich nicht nur an der hochfliegenden Aufklärungsdrohne Xianglong sondern ebenso an einer Vielzahl verschiedener Typen von reinen Kampfdrohnen die das Bild einer hochgerüsteten Armee komplettieren. China über Land anzugreifen wird wohl jedem Strategen bei der Planung Gänsehaut machen und nicht in Frage kommen.

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Zu wünschen übrig lässt nur noch die chinesische Marine, was wohl die Amerikaner dazu ermuntert, vor Taiwans Küste die Ein-Staaten-Lösung Pekings in Frage zu stellen. Aber wie lange noch? Dass neue Marineboote in Bau und weitere in Planung sind dürfte den USA nicht entgangen sein. Selbst bei der heutigen maritimen Ungleichheit haben amerikanische Kriegsschiffe auch jetzt im südchinesischen Meer im Ernstfall kaum eine Überlebenschance.

Von Hans-Jürgen Klose

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