Wird China den Iran retten?

Ein strategisches Bündnis mit Peking könnte die Islamische Republik neu beleben, was ernsthafte Auswirkungen auf die regionale Politik hat.

In den letzten Wochen hat sich eine Reihe von Explosionen und Bränden in weiten Teilen des Irans ausgebreitet und mehrere Einrichtungen beschädigt, darunter die Nuklearanlage Natanz und das Raketenbauzentrum. Manche Beobachter behaupten, dass der israelische Mossad etwas damit zu tun hatte, zumal Israel das Land als Erzfeind betrachtet. Gleichzeitig hat die Coronavirus-Pandemie den Iran besonders hart getroffen, verbunden mit einer nachlässigen Reaktion der Regierung darauf.

Schließlich haben die US-amerikanischen und internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik zu einer Wirtschafts-/Finanzkrise noch nie dagewesenen Ausmaßes geführt. Ohne die (zuvor auf US-Konten eingefrorenen iranischen) Milliarden, die die Obama-Administration dem Iran (in bar, in Flugzeugen) als Ergebnis des Nukleardeals schickte, wäre der Iran zu diesem Zeitpunkt bereits völlig bankrott gewesen.

Schlussfolgerung: Der Iran implodiert und explodiert zugleich. Könnte dies zu einem Regimewechsel führen? Durchaus möglich. Die öffentliche Unzufriedenheit mit den islamischen Behörden ist groß, und wir dürfen nicht vergessen, dass die iranische Armee vor etwa anderthalb Jahren einen Staatsstreich versuchte, der von der Revolutionsgarde niedergeschlagen wurde.

Und nun zu China. Das Reich der Mitte befindet sich inmitten einer mehrjährigen, mehrgleisigen Kampagne zur Verbreitung seines Einflusses und seiner Macht in der ganzen Welt. Die Chinesen sind nicht dafür bekannt, dass sie Gelegenheiten verpassen. Kein Wunder also, dass sie den an Öl und Gas reichen Iran unterstützen.

Es wurde berichtet, dass China und der Iran kurz vor dem Abschluss einer auf 25 Jahre angelegten strategischen Allianz stehen, in deren Rahmen China in diesem Fall unbegrenzte Energielieferungen zu ermäßigten Preisen und der Iran massive chinesische Infrastruktur- und Industrieinvestitionen erhalten wird, wodurch das Land effektiv aus seinem gegenwärtigen Dilemma gerettet wird.

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Das Ergebnis eines solchen Bündnisses für die USA, den Nahen Osten und Israel liegt auf der Hand. Die bisher wirksamen Wirtschaftssanktionen der Trump-Administration würden weitgehend aufgehoben und die Islamische Republik könnte sich wieder wirtschaftlich erholen.

Washington, Jerusalem und Riad sind über diese Entwicklungen natürlich nicht erfreut. Immerhin sehen sie den Iran als Feind an, der (wie übrigens auch Saudi-Arabien und die Türkei) um Einfluss in der muslimischen Welt kämpft und dabei mit den Sicherheits- und geopolitischen Interessen der USA, Israels und Saudi-Arabiens. Doch Peking will den Iran undbedingt in die Neue Seidenstraße integrieren und mit der Stabilisierung des Landes Chaos in der Region verhindern.

Das Letzte was die Chinesen brauchen ist ein kollabierender Iran, der einen regionalen Flächenbrand auslöst und damit die Projekte Chinas zerstört. Insofern scheint dies lediglich ein logischer Schritt zu sein.

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