Öl & Gas: Saudi-Arabien will die totale Dominanz

Ein Ende des Kohlenwasserstoff-Zeitalters ist trotz der globalen „grünen Welle“ noch lange nicht abzusehen. Saudi-Arabien will dies für sich nutzen. Hier geht es um Machtpolitik.

Von Redaktion

Der saudi-arabische Energieminister Prinz Abdulaziz behauptete letzte Woche, dass das Königreich „sogar“ im Jahr 2050 der größte Kohlenwasserstoffproduzent der Welt sein wird.

„Ich kann versichern, dass Saudi-Arabien nicht nur der letzte Produzent sein wird, sondern dass Saudi-Arabien jedes Kohlenwasserstoffmolekül produzieren und es sinnvoll einsetzen wird. Es wird auf umweltfreundlichste, sicherste und nachhaltigste Weise durchgeführt“, sagte Abdulaziz, als er während einer virtuellen Konferenz, die vom Future Investment Initiative Institute (FII-I) in Saudi-Arabien einberufen wurde, nach den Aussichten für den Ölmarkt im Jahr 2050 gefragt wurde. Abdulaziz fügte hinzu, dass Saudi-Arabien „selbst dann der letzte und größte Kohlenwasserstoffproduzent sein wird“.

Aber ist Saudi-Arabien jetzt der weltweit führende Kohlenwasserstoffproduzent? Und wie sieht dessen Aussicht aus, 2050 der größte Kohlenwasserstoffproduzent zu sein?

Um zu verstehen, was der Prinz behauptet, müssen wir zuerst die Kohlenwasserstoffklassifikation verstehen. Kohlenwasserstoff ist eine organische Verbindung, die nur Kohlenstoff und Wasserstoff enthält. Dies umfasst Erdöl, Erdgas und Kondensate.

Die Ölförderung in Saudi-Arabien im Jahr 2019, zu der Rohöl, alle anderen Erdölflüssigkeiten und Biokraftstoffe gehören – dies würde Erdgasanlagenflüssigkeiten und Kondensat einschließen – betrug nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) durchschnittlich 11,81 Mio. bpd. Bei 12 Prozent der weltweiten Gesamtförderung ist es kein Wunder, dass Saudi-Arabien so viel Einfluss auf den Markt hat, insbesondere wenn es mit den übrigen OPEC-Mitgliedern zusammenarbeitet.

Auch Russland ist ganz oben und produziert durchschnittlich 11,49 Millionen bpd oder 11 Prozent der weltweiten Gesamtmenge. So ist es auch kein Wunder, dass wenn Sie Russland und Saudi-Arabien zusammenbringen, um das weltweite Ölangebot zu „stabilisieren“, um es mit der Nachfrage in Einklang zu bringen, ein Kraftpaket für die Rohölproduktion entsteht, das seinesgleichen sucht.

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Aber im Einzelnen ist Saudi-Arabien das Land, das versucht hat, jede von der OPEC erarbeitete Produktionsquote rückgängig zu machen. Dessen Nemesis sind die Vereinigten Staaten. Für sich allein produzierten die Vereinigten Staaten 19,51 Millionen Barrel Öl (und andere Erdölflüssigkeiten) pro Tag, womit sowohl Saudi-Arabien als auch Russland besiegt wurden und 19 Prozent der weltweiten Ölversorgung kontrolliert wurden.

Der Rest der Länder allein steht deutlich weiter unten auf der Liste, und keiner von ihnen produziert mehr als die Hälfte des drittplatzierten Russlands.

Saudi-Arabien geht jedoch davon aus, dass es 2050 „noch“ der größte Kohlenwasserstoffproduzent sein wird. Wenn dies jetzt nicht der Fall ist, wie hoch sind die Chancen, dass es in dreißig Jahren so weit sein wird?

Vielleicht nicht im Einklang mit Saudi-Arabiens großem Plan Vision 2030, hofft das Königreich immer noch, in Jahrzehnten der Spitzenreiter bei der Erdölförderung zu sein.

Warum das? Hier geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um Macht und Einfluss. Ohne eine wichtige regionalpolitische Stellung einzunehmen ist Saudi-Arabien auch nur ein Land wie jedes andere. Klar, noch wird das Königreich von den Vereinigten Staaten zur Konfrontation des Irans gebraucht und auch die Stellung des Petrodollars steht (siehe auch hier) auf dem Spiel. Doch das ist nicht alles.

Auf der weltpolitischen Bühne gilt der Grundsatz „Macht bricht Recht“, wenngleich dies durch die Diplomatie etwas abgeschwächt wird. So lange die Saudis in Sachen Erdöl ein Top-Spieler sind, hat das Regime dort eine relativ große Handlungsfreiheit. Wo man andere Länder wegen umfangreicher Menschenrechtsverletzungen und Angriffskriege (Jemen) längst schon mit Sanktionen strangulieren würde, dürfen die Saudis hingegen den Vorsitz im UN-Menschenrechtsrat inne haben.

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Riad würde auch die nächsten drei Jahrzehnte gerne so weitermachen wie bisher, weshalb der Anspruch im Bereich der Kohlenwasserstoffe nachvollziehbar ist. Ohne eine wichtige Stellung im Ölbereich ist dieser Bonus Geschichte. Doch inwieweit der eigene Anspruch mit der Realität zusammentreffen wird, ist eine andere Frage.

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