Krieg ums Wasser

Frisches Trinkwasser wird eine knappe Ressource. Wir werden bald blutige Konflikte und Kriege um das kostbare Nass erleben.

Von Marco Maier

Schon jetzt gibt es immer wieder Streitigkeiten um grenzüberschreitende Wasserressourcen wie Flüsse und Seen. Vor allem in Regionen in denen das kostbare Nass ohnehin schon eine Mangelware ist. Adäquates Trinkwasser ist überlebenswichtig und aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung sowie klimatischer Veränderungen immer knapper.

Erst im letzten Jahr hat beispielsweise Indien die „Wasserwaffe“ gegenüber dem Kontrahenten Pakistan gezückt. Nach der blutigen Terrorattacke in Kaschmir, bei der 40 indische Polizisten getötet wurden, drohte Neu Delhi Islamabad mit der ultimativen Waffe: der Wasserversorgung.

Das Wassernetz des Indus.

So sagte Verkehrsminister Nitin Gadkarikinon am 21. Februar: „Unsere Regierung hat entschieden, unser Teil des Wassers welches normalerweise nach Pakistan fließt nicht mehr zu teilen.“ Er kündigte an, das Wasser der östlichen Flüsse umleiten zu lassen, „und es unseren Leuten in Jammu und Kaschmir und in Pundschab“ zukommen zu lassen. Indien kontrolliert drei große Flüsse die nach Pakistan fließen.

Wenn Indien mitgemacht hätte, hätte es den Indus Water Treaty (IWT) von 1960 zwischen den beiden Ländern aufgehoben. Ein Schritt, der als Kriegshandlung angesehen werden könnte. Am Ende ist nicht viel dabei herausgekommen. Indien bombardierte einige Wälder und Pakistan bombardierte einige Felder.

Die Bedrohung unterstrich jedoch eine wachsende Krise in Südasien, in der Megastädte und intensive Landwirtschaft den Subkontinent buchstäblich austrocknen. Bis 2030 wird laut einem aktuellen Bericht die Hälfte der indischen Bevölkerung – 700 Millionen Menschen – über keine ausreichende Trinkwasserversorgung verfügen. Derzeit leiden 25 Prozent der indischen Bevölkerung unter Dürre.

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Ismail Serageldin, ein früherer Weltbank-Manager, sagte einmal: „Wenn die Kriege dieses Jahrhunderts wegen Öl ausgetragen wurden, werden die Kriege des nächsten Jahrhunderts wegen des Wassers geführt werden.“ In diesem Jahrhundert befinden wir uns bereits.

Wasserknappheit weltweit. Bild: Wikimedia / BBC CC BY-SA 4.0

Wie die Wasserknappheitskarte der BBC oben zeigt, sind vor allem Afrika, der Nahe Osten, Südasien, ein Teil Australiens und Teile Mittel- und Nordamerikas davon betroffen. Es ist davon auszugehen, dass sich die affektierten Gebiete in den kommenden Jahrzehnten noch weiter ausbreiten.

Völker und Stämme werden sich gegenseitig bekämpfen, nur um an das kostbare Nass zu gelangen. Ganze Staaten werden wohl in kriegerische Auseinandersetzung um die Wasserversorgung geraten. Es geht hierbei um die Kontrolle über wasserreiche Gebiete. Denn wer über Trinkwasser verfügt, verfügt auch über Macht. Dies zeigt sich auch im Euphrat-Tigris-Becken.

Einzugsgebiet des Euphrat.

Das Euphrat-Tigris-Becken wird von der Türkei, Syrien und dem Irak geteilt, wobei der Iran Teile des Tigris-Beckens umfasst. Seit den 1960er Jahren belasten einseitige Bewässerungspläne, die die Flussläufe der Flüsse verändern, sowie politische Spannungen zwischen den Ländern die Beziehungen im Tigris-Becken. Streitigkeiten haben die drei Regierungen daran gehindert, die Flüsse des Tigris-Beckens effektiv gemeinsam zu bewirtschaften. Obwohl die Kooperationsbemühungen in den 2000er Jahren erneuert wurden, haben diese noch nicht zu einer formellen Vereinbarung über die Bewirtschaftung der Gewässer des Beckens geführt.

Euphrat und Tigris entspringen beide in der Türkei und fließen in das Shatt Al-Arab-Becken im Südirak. Während der Euphrat Syrien und den Irak durchquert, fließt der Tigris von der Türkei in den Irak. Die Türkei trägt 90 Prozent zum Euphrat bei, während Syrien 10 Prozent zum Wasserfluss beiträgt. Was den Tigris betrifft, so tragen die Türkei, der Irak und der Iran 40, 51 bzw. 9 Prozent zum Euphrat bei. Obwohl auch der Iran zum Fluss des Tigris beiträgt, wird das Land von den Wissenschaftlern nicht als Haupt-Koapartner im Euphrat-Tigris-Becken (ET-Becken) betrachtet.

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In den 1960er Jahren, nach Tausenden von Jahren, in denen die Gewässer des ET-Beckens gemeinsam genutzt wurden, kam es zwischen den Anrainerstaaten zu Streitigkeiten über den Wasserfluss, der ihr Gebiet erreicht. Zwischen den 1960er und den 1990er Jahren gab es mehrere Fälle enger Zusammenarbeit, aber andere Ereignisse brachten die Länder an den Rand eines Krieges. Obwohl die Zusammenarbeit zwischen den Anrainerstaaten in den 2000er Jahren neu begann, haben mehrere Faktoren dieser Zusammenarbeit ein Ende gesetzt.

Die Vorhersage der UNO, wonach der Fluss von Euphrat und Tigris bis zum Ende des Jahrhunderts um 30 bzw. 60 Prozent zurückgehen könnte, zeigt, dass die Wassermenge, die durch Syrien und den Irak fließt, wahrscheinlich noch knapper werden wird. Ein Abkommen zur effizienten Bewirtschaftung der Gewässer der ET ist daher für die Stabilität in der Region von entscheidender Bedeutung.

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