Kampf um Afrika

Die USA und China kämpfen um die Vorherrschaft in Afrika. Es geht vor allem um Ressourcen und Macht – und um die Entscheidung, wer in Zukunft auf der Welt den Ton angibt.

Von Marco Maier

Für mehrere Jahrhunderte war der afrikanische Kontinent (insbesondere südlich der Sahara) vor allem ein Feld für die europäischen Kolonialmächte. Vor allem Briten, Franzosen und Portugiesen waren hier tonangebend, während sich die Spanier und Niederländer eher anderen Weltteilen widmeten und die Deutschen und Italiener später erst aktiv wurden.

Zwar erlangten die ehemaligen Kolonien im letzten Jahrhundert ihre staatliche Freiheit, doch das koloniale Erbe lastete auf den noch jungen Staaten. Dort wo früher die Stammesregionen Einheiten darstellten, wurden sie durch die kolonialen Grenzziehungen zerrissen und mussten sich nun in einer Mehrheits- oder Minderheitsrolle in ihren neuen künstlichen Staaten zurechtfinden. Und nicht nur das. Auch dominierten weiterhin lokale Eliten, die schon zu Kolonialzeiten eine gewisse Macht inne hatten.

Die Kolonialherren sind zwar längst weg und in den meisten der afrikanischen Länder gab es (zumeist infolge von Putschen) Machtwechsel, doch die ursprünglichen Probleme bleiben bestehen. Denn noch sind Konzerne der früheren Kolonialherren in den meisten Ländern aktiv. Dies ist vor allem in den ehemaligen französischen Kolonien deutlich sichtbar. Aber in den letzten Jahrzehnten gab es einige Veränderungen.

Einerseits drängen die Amerikaner (zumindest militärisch) immer stärker nach Afrika, andererseits sind die Chinesen mittlerweile die wichtigsten Auslandsinvestoren auf dem „schwarzen Kontinent“. Hierbei geht es vor allem um die enormen Rohstoffreserven, welche die Industrien in Nordamerika, Europa und Ostasien benötigen. Zudem gilt es Märkte zu erobern und zu entwickeln.

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Während die Chinesen vor allem Geld und Know-How einsetzen, um sich Macht und Einfluss in Afrika zu sichern, setzen die Amerikaner mehr auf eine militärische Zusammenarbeit und die „Terrorismusbekämpfung“. Denn mit der Ausbreitung des Islams im nördlichen Afrika kam es auch zur Verbreitung islamistischer Ideologien, wobei „Boko Haram“ in Nigeria und „al-Shaabab“ in Somalia und Kenia die bekannteren einheimischen islamistischen Gruppierungen sind. Die al-Kaida und der „Islamische Staat“ spielen vor allem im arabisierten Norden eine Rolle.

Doch die Terrorismusbekämpfung in Afrika ist weitestgehend nur ein Vorwand für Washington, um mehr Soldaten und Kriegsgerät auf dem Kontinent stationieren zu können. Vielmehr geht es den Amerikanern um die Eindämmung Chinas, welches seine „Neue Seidenstraße“ (One Belt, One Road-Initiative, OBOR) bis nach Afrika hin ausdehnt und einen immer größer werdenden Einfluss auf die Politik des Kontinents hat. Peking sieht im Aufbau der afrikanischen Wirtschaften unter anderem eine Möglichkeit, neue Absatzmärkte für die Zukunft zu schaffen – für jene Zeiten, wenn jene in den westlichen Ländern aufgrund der demografischen Veränderungen die Luft ausgeht.

Denn auch China kämpft (infolge der langjährigen Ein-Kind-Politik) mit einer massiven Überalterung der Gesellschaft und versucht nun, die Grundbausteine für ein wirtschaftliches Imperium zu legen, welches dem Reich der Mitte in der Zukunft einen stetigen Zufluss von Finanzmitteln garantieren soll. Externe Finanzmittel, welche Peking zur Alimentierung der wachsenden Schar an Rentnern braucht.

Allerdings ist die Volksrepublik China für die Vereinigten Staaten von Amerika eine systemische Konkurrenz um die globale Vorherrschaft. Während die früheren europäischen Kolonialmächte nur mehr eine eher geringe Rolle in den afrikanischen Ländern stellen (was den US-Einfluss ebenfalls reduziert), füllen die Chinesen die vorhandenen Lücken auf. Wenn man dann noch bedenkt, dass Afrika als wichtiger Wachstumsmarkt in diesem Jahrhundert gilt, wird klar, wohin sich das Ganze bewegt: eine globale Vormachtstellung durch wirtschaftliche und finanzielle Dominanz.

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Bereits seit einigen Jahren heißt es, das „amerikanische Jahrhundert“ werde nun durch das „asiatische Jahrhundert“ abgelöst – mit China, Indien und anderen asiatischen Mächten als Haupttreibern. Ein Kampf um die weltweite Vorherrschaft, der sich auch im ressourcenreichen Afrika entscheiden wird. Und bislang, so scheint es, haben die Chinesen dort einen gewaltigen Vorsprung.

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