Israel und der Iran führen bereits faktisch einen Krieg

Israel und der Iran sind Erzfeinde. Während Teheran die Hisbollah und Palästinensergruppen einsetzt, greift Jerusalem den Iran direkt an.

Von Marco Maier

Seit vielen Jahren herrscht im Nahen Osten ein Krieg, der bislang nur aufgrund der fragilen Sicherheitsverhältnisse in der Region noch nicht voll eskaliert ist. Es ist jener zwischen dem Iran und Israel. Zwei Staaten, die sich völlig feindselig gegenüber stehen – sozusagen Erzfeinde sind.

Während der Iran das Existenzrecht Israels nicht anerkennt und den Zionismus bekämpft, kämpft der jüdische Staat seit seiner Gründung 1948 – unterstützt von den Amerikanern und den Europäern – um sein Überleben. Denn anders als vor 2000 Jahren, als die ganze Levante noch multiethnisch und multireligiös war, wird die Region inzwischen von Muslimen dominiert. Und entsprechend der Linie, dass jedes Stück Land das jemals von Muslimen besiedelt bzw. erobert wurde Teil der muslimischen Welt ist, gilt dieser Anspruch auch für das gesamte Palästina.

Im Gegenzug versucht die israelische Führung den Yinon-Plan zu verwirklichen und unter Berufung auf die eigenen religiösen Texte ihr Erez-Israel (Großisrael) zu errichten. Das sind miteinander kollidierende territoriale Interessen, die zwangsläufig zum Krieg führen müssen.

Kein Wunder also, dass die iranische Führung neben der Schiitenmiliz Hisbollah (vor allem im Libanon) auch diverse militante Palästinensergruppen unterstützt, die immer wieder Angriffe auf Israel durchführen. Auch die Etablierung eines „schiitischen Halbmonds“ unter der Kontrolle Teherans gehört zur iranischen Strategie.

Gleichzeitig führt dies dazu, dass die israelische Luftwaffe immer wieder Luftangriffe auf iranische Truppen und vom Iran unterstützte schiitische Milizen im Irak und in Syrien durchführt. Sie stellen für Jerusalem eine unmittelbare nationale Bedrohung dar. Doch das ist noch nicht alles.

Lesen Sie auch:  Russland sperrt den syrischen Luftraum für Israel

Auch das iranische Atomprogramm steht im Visier der Israelis. Zwar betont Teheran immer wieder, man wolle lediglich eigene Atomkraftwerke betreiben und strebe lediglich eine zivile Nutzung an, doch in Jerusalem bezweifelt man dies. Denn: zwar hat der Ayatollah in einer Fatwa Nuklearwaffen als „unislamisch“ gebrandmarkt, doch die Israelis (die übrigens selbst entgegen der Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrags Atomwaffen besitzen) glauben den Beteuerungen der Iraner natürlich kein Wort.

Kein Wunder also, dass Israel immer wieder Angriffe selbst auf iranischem Territorium durchführt. So werden die jüngsten Vorfälle (z.B. die Explosion nahe der Militärbasis Parchin nahe Teherans oder die jüngste Explosion auf der Natanz-Nukleareinrichtng auf Akte von Mossad bzw. der israelischen Armee (IDF) zurückgeführt.

Die islamistische Führung in Teheran behauptet zwar, dass es sich um „Unfälle“ gehandelt habe, doch dies dürfte nur dazu dienen, die radikalen Kräfte im Land nicht noch weiter anzustacheln. Immerhin könnte man dies als offene Kriegserklärung betrachten, was die Führung in den Augen der Iraner selbst als „schwach“ aussehen ließe. Der Gesichtsverlust wäre zu groß. Wie kann es sein, dass die israelische Luftwaffe oder der Mossad faktisch ungehindert im Iran agieren können?

Aber die ganzen Aktionen zeigen, dass sich der Iran und Israel bereits in einem Kriegszustand befinden, der zumindest derzeit noch begrenzt geführt wird. Trotz der anhaltenden Spannungen scheint keine Seite derzeit daran interessiert zu sein, diese vollends eskalieren zu lassen. Vielmehr handelt es sich um eine „Politik der Nadelstiche“, mit der die Hardliner in beiden Regierungen ihre Anhängerschaft bei Laune halten können. Externe Feinde sind eben immer willkommen, wenn man ein unzufriedenes Volk trotz aller Widrigkeiten hinter sich scharen will.

Lesen Sie auch:  Gipfel zwischen Joe Biden und Xi Jinping steht bevor

Doch: wann wird dieser begrenzte Krieg zu einem regionalen Flächenbrand eskalieren?

Hier können Sie uns folgen und unsere Artikel teilen:
Pin Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.