Energiesicherheit: Wasserstoff als Lösung?

Europa ist von Energieimporten abhängig, was es außenpolitisch verwundbar macht. Wasserstoff könnte eine Lösung für dieses Problem sein. Energieautonomie ist wichtig.

Von Marco Maier

Man braucht kein Anhänger der Greta-Religion zu sein, um zu verstehen, dass die Fokussierung auf Kohlenwasserstoffe in Sachen Energie nicht unbedingt die beste Wahl ist. Vor allem nicht für die Europäer, welche (bis auf Norwegen) nicht über genügend eigene Reserven verfügen, die sie für den Eigenbedarf ausbeuten können.

Deutschland beispielsweise ist insgesamt zu rund 70 Prozent auf Importe angewiesen. Beim Erdöl sogar auf 98 Prozent, beim Erdgas auf 92 Prozent. Lediglich bei der Braunkohle und bei den erneuerbaren Energien gibt es (netto) keine Importe.

Außenpolitisch hat dies natürlich auch Konsequenzen, zumal die Energiesicherheit eine wichtige Rolle spielt: mit den Hauptenergielieferanten verscherzt man es sich nicht. Dabei spielt es beispielsweise keine Rolle, ob das Erdgas nun aus Russland, den USA oder aus Katar kommt, oder das Erdöl aus Saudi-Arabien, Nigeria oder Kuwait.

Und nicht nur das: wir sprechen hier von zig Milliarden Euro, die jährlich an die Öl- und Gaslieferanten fließen. Geld, welches bei der Energieproduktion im Inland zum Beispiel nicht in die Kassen irgendwelcher Scheichs fließen würde, die damit islamistische Terroristen und salafistische Prediger in Eurpa finanzieren, sowie Unmengen an Kriegsgerät kaufen.

Insofern ist es eigentlich ein guter Schritt, dass die Europäische Union einen ambitionierten „140 Milliarden Euro-Plan“ zur Entwicklung einer europäischen Wasserstoff-Energiewirtschaft hat. Auch wenn die „Dekarbonisierung“ des Energiesektors vor allem aus Gründen des sogenannten Klimaschutzes (der sogenannte „European Green Deal“) erfolgt, so sind die geplanten Investitionen vor allem aus geopolitischer Sicht interessant, weil sie eben für eine gewisse Autarkie sorgen können.

Lesen Sie auch:  Merkel will konstruktiven Dialog mit Russland führen

Hinzu kommt der Umstand, dass die sukzessive Umstellung der europäischen Energieversorgung auf alternative Energiequellen nicht rein auf Basis von Elektrizität erfolgen kann. Während beispielsweise Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke in Bezug auf die Lieferung von Elektrizität geregelt werden können, ist dies beispielsweise bei Sonnen- und Windenergie nicht und bei der Wasserkraft bedingt der Fall. Zudem können gar nicht so viele „grüne“ Kraftwerke aufgestellt werden, um die Kohlenwasserstoffe komplett zu ersetzen. Das macht Wasserstoff selbst so interessant.

Denn so wie sich die Europäer in Sachen Öl und Gas von einigen Lieferländern abhängig machten, so sieht es in Sachen „grüner Energie“ gerade in Bezug auf die Batterien/Akkus (bzw. die Rohstoffe dafür) von anderen Ländern abhängig. Doch um auf der Weltbühne der Politik möglichst unabhängig agieren zu können, sind solche Abhängigkeiten abzuschaffen.

Die Wasserstofftechnologie alleine wird zwar wahrscheinlich nicht ausreichen um einen Höchstgrad an Energieautonomie zu erreichen, dennoch ist dies ein wichtiger Schritt dort hin.

Hier können Sie uns folgen und unsere Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.