Amerikas messianischer Imperialismus

Vor allem die evangelikalen Gruppen prägen das geopolitische Denken der Massen. Der US-Imperialismus ist unter anderem auch messianischer Natur.

Von Marco Maier

Die meisten Amerikaner mögen den Krieg. Sie lieben ihn sogar. Aber sie hassen es, Kriege zu verlieren. Nicht umsonst waren die Vereinigten Staaten von Amerika seit ihrer Gründung fast durchgehend in irgendwelche Kriege verwickelt. Wirkliche Friedenszeiten gab es so gut wie nie.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es US-Präsident Donald Trump bisher noch nicht schaffte, die „ewigen Kriege“ zu beenden. Auch wenn er sie nicht angefangen hat, so würde ein völliger Abzug der US-Truppen aus Afghanistan, dem Irak oder Syrien ihn nur als „Verlierer“ dastehen lassen. Das ist auch wahrscheinlich der einzige Grund dafür, weshalb Trump bislang noch keinen Krieg gegen den Iran oder Nordkorea vom Zaun brach. Er weiß, dass das keine „Blitzkriege“ mit raschem Erfolg sein werden – im Gegenteil, die eigenen Verluste und jene der Verbündeten wären so groß, dass er das Amt gedemütigt verlassen müsste.

Doch woher kommt diese massive Unterstützung der Bevölkerung für die globalen militärischen Abenteuer und die angebliche „Befreiung“ und „Demokratisierung“ anderer Völker? Wo kommt diese umfassende Verpflichtung für Israel her? Das ist eigentlich relativ leicht zu erklären: es ist der evangelikale (nicht zu verwechseln mit den evangelischen/lutherischen Christen) Messianismus, der sich in breiten Bevölkerungsschichten der Amerikaner ausgebreitet hat.

Schätzungen zufolge dürfte mehr als ein Viertel der US-Amerikaner den (fundamentalistischen) evangelikalen Lehren anhängen. Doch dieses Viertel ist vergleichsweise lautstark, gut vernetzt und auch politisch und medial sehr aktiv. Sie wirken auch weit über ihre religiösen Gemeinschaften auf die Gesellschaft ein.

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Auch deshalb ist die Grundannahme, dass die Vereinigten Staaten als Supermacht in der Pflicht stehen, „Freiheit und Demokratie“ zu verbreiten, in den meisten Teilen der US-Gesellschaft – egal welches religiösen Hintergrundes – so sehr anerkannt.

So wie die Evangelikalen die christliche Mission als ihre religiöse Pflicht ansehen, ist die „Missionierung“ anderer Völker auf dieser Welt zu „Demokratie“ und „Freiheit“ amerikanischer Prägung zu einer politischen Pflicht geworden. Die US-amerikanischen Militärbasen rund um den Erdball sind für sie so etwas wie die Kirchen und Kathedralen der „Demokratie- und Freiheitsmission“. Der „American way of life“ ist zu einer missionarischen politischen Religion avanciert.

Dies macht es den amerikanischen Eliten auch so leicht, die globale US-Hegemonie – ungeachtet all der bestehenden Widersprüche – innerhalb der US-Gesellschaft zu verteidigen. Der gewöhnliche Amerikaner hat kaum ein Problem damit, auf der einen Seite das islamistische Regime im Iran zu bekämpfen (um den Iranern „Freiheit und Demokratie“ nach US-Vorbild zu bringen), auf der anderen Seite jedoch das islamistische Regime in Saudi-Arabien zu stärken und zu unterstützen.

Man hinterfragt auch nicht, warum die US-Regierung in all den vergangenen Jahrzehnten einerseits diverse Hardcore-Diktatoren (z.B. Pinochet in Chile oder den jüngeren Saddam Hussein im Irak) unterstützt, während man gleichzeitig (teils auch autoritäre) Demokratien bekämpft. Aber das ist wie mit all den Widersprüchlichkeiten in der Bibel selbst, die man geflissentlich übersieht – solche Angelegenheiten spielen keine Rolle, wenn sie den eigenen Zwecken dienen.

Dies erklärt auch, warum beispielsweise (das vom orthodoxen Christentum beeinflusste) Russland oder (das vom Buddhismus beeinflusste) China geopolitisch eine völlig andere Herangehensweise – ohne den missionarischen Eifer der Amerikaner – haben.

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