Äthiopien: „Der Nil gehört uns!“

Kommt es wegen des Wasser des Nils zum großen militärischen Showdown zwischen Ägypten und Äthiopien?

Vor einer Woche unternahm Äthiopien den äußerst umstrittenen Schritt, das Reservoir hinter dem „Großen Äthiopischen Damm der Widergeburt“ aufzufüllen, was Ägypten weiter erzürnte, da das Projekt seine Wirtschaft, seine Landwirtschaft und sein mit dem Nil flussabwärts verbundenes Ökosystem vernichten werde.

Äthiopien hat das Feuer vor Tagen noch weiter angefacht, als der Außenminister des Landes in der Landessprache Amharisch twitterte: „Der Nil ist unser“.

Der Tweet des äthiopischen Außenministers Gedu Andargachew lautete wie folgt: „Herzlichen Glückwunsch! Es war der Nil-Fluss, und der Fluss wurde zu einem See. Er wird nicht mehr in den Fluss fließen. Äthiopien wird alle Entwicklung haben, die es sich davon verspricht. Tatsächlich gehört der Nil uns!“

Internationalen Berichten zufolge planen die Äthiopier, den Stausee des Staudamms innerhalb von drei Jahren aufzufüllen.

Sobald die Auswirkungen des Staudamms für die ägyptische Bevölkerung spürbar werden, was, wie einige Analysten befürchten, angesichts der zentralen Bedeutung, die ein gesund fließender Nil für die ägyptische Landwirtschaft hat, zu einer Hungersnot führen könnte, wird Kairo unter Druck gesetzt werden, möglicherweise militärische Maßnahmen zu ergreifen. Der Tweet von Andargachew hat die Pattsituation sicherlich verschärft.

Unnötig zu erwähnen, dass der Nil seit Tausenden von Jahren die Lebensader Ägyptens und die größte natürliche Ressource des Landes mit weitgehend wüstenartigem Klima ist.

Es wird geschätzt, dass etwa 85 Prozent des Wassers, das Ägypten erreicht, über den Zufluss des Blauen Nils kommt. Doch genau dort hat Äthiopien seinen gewaltigen Staudamm gebaut. Der Staudamm ist ein offiziell finanziertes Projekt der äthiopischen Regierung.

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Die Spannungen nehmen zu, da das Projekt in der vergangenen Woche einen wichtigen Meilenstein erreicht hat:

Am Mittwoch bestätigte der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed, dass sein Land sein Ziel erreicht hat, den Stausee hinter dem Damm mit den ersten 4,9 Milliarden Kubikmetern Wasser zu füllen – Tage nachdem seine Nachbarn Sudan und Ägypten Einwände dagegen erhoben hatten.

„Der Abschluss der ersten Runde des Füllens ist ein historischer Moment, der das Engagement der Äthiopier für die Renaissance unseres Landes zeigt“, sagte Ahmed.

Der Tweet des äthiopischen Außenministers stieß in Ägypten auf heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit, wo Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sogar damit gedroht haben, dass nur ein eventueller Krieg die Krise lösen könne.

Es ist anzunehmen, dass der Sudan, der vom Wasser des Nils ebenso abhängig ist, sich einem solchen Waffengang anschließen würde.

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